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Geſammelte Gedichte. 125
Feſtgruß zur Vorfeier des Geburtstags des Fürſten
Carl Egon von Fürſtenberg.
Bevor ein heiter Spiel euch all' ergötzt,
Die dieſer Saal im Feſtſchmuck heut umfaßt,
Sei zum Willkomm ein einfach Wort vergönnt.
Schwer hat des Winters Wucht auf uns gelaſtet,
Ihr alle wißt, nicht Kälte, Schnee und Eis
War dieſes Mal ſein einziges Gefolg:
Er ſchuf dem Lande allgemeine Trauer,
Er ſchlug mit Krankheit ſchier ein jedes Haus.
Auch dieſes Schloſſes gaſtlich hohe Räume,
Sie blieben nicht von Trübſal unberührt;
Wo ſonſt der Tonkunſt wohlgeübte Schüler
So manches Feſt, ſo manchen Sieg gefeiert,
War's lange ſtumm... Wer denkt mit Wehmut nicht
Der ernſten Stunde, die wir all' erlebt,
Da keine Stimmung Raum im Herzen fand
Als banges Harren, Hoffnung und Gebet?
Doch wer dem Herrn vertraut, iſt nicht verlaſſen,
Er ſchickt die Prüfung, daß wir höher ſchätzen
Die Tage, da die Sonne wieder ſtrahlt;
Und ſieh! die Zeit des Kummers ſchwand und ging,
Auf Leid folgt Freud!! in Freuden grüßen wir
Die hohe Frau, die heut zum Feſt uns lud.
Zum Feſte, ja! Der Tag, an deſſen Schwelle
Wir heute ſtehen, iſt ein Feiertag:
So weit das alte Fürſtenberger Land
In Baar und Schwarzwald ſeine Grenzen ſtreckt,
Begeht man feſtlich nach der Väter Brauch
Den vierten März, des Fürſten Wiegenfeſt.
Doch wo der Himmel ſelbſt als Weihgeſchenk
Zum frohen Tag die Gattin wiedergab,
Will ſich ein langer Glückwunſch kaum geziemen:
Sein Segen folgt dem ritterlichen Herrn,
Und wie wir jetzt oft freudig ihn erblicken
Im Vollbeſitz des Lebens und der Kraft,
Als rüſt'gen Jäger, der kein Wetter ſcheut,
Als Freund der Tonkunſt, die er liebt und übt,
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