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Geſammelte Gedichte.
Als Edelmann im wahren Sinn des Worts,
So ſei es fürder! mög' er lange noch
Den Seinen wie dem Lande ſeiner Ahnen
Ein treuer Freund, ein Hort und Schirmherr ſein!
Wer ſo wie Er manch andres Glück bereitet,
Der hat ein Anrecht auf das eigne Glück.
Ihr aber alle, die willkomm ich heiße,
Zieht nicht die Stirne in geſtrenge Falten,
Und haltet nicht ein ſcharfes Kunſtgericht,
Wenn heute wir in leichtem Bühnenſpiel
Zur allgemeinen Fröhlichkeit des Tags
Ein Scherflein geben. Denkt des alten Worts:
Ein Schelm nur ſpendet mehr als was er hat!
Und wie das Brot, das man im Haus gebacken,
Der Wein, den man von eigner Rebe zog,
Oft beſſer mundet als der Leckerbiſſen,
Den fremde Kunſt und Künſtelei erſann,
So mög' auch euch das kleine Spiel erfreu'n:
Von Herzen kommt's, — zum Herzen geh' es ein!
Des Rodenſteiners Ritt zum Mond.
Und wieder ſprach der Rodenſtein:
„Jetzt fort und nichts wie 'naus!
Auf Erden laß ich 's Reiten ſein,
Ich klopf' den Mond heraus!
Mond da!
Mond, he, wer wohnt da?
Du bleiche Weltlatern,
Gibt's nirgends hier 'nen Tropfen Wein
Für Reiter aus der Fern'?“
Da ſtieg aus Tiefen, ringumwallt,
Ein Klaglaut in die Höh'.
Im Traumſumpf ſeufzt' als Mondgeſtalt
Der Exmenſch Carové:
„Schont da,
Schont doch den Mond da!
Wer mag ſo roh hier ſchrei'n?
Bei uns gibt's keine Atmoſphär',
Kein' Sauerſtoff, kein' Wein!“
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