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Geſammelte Gedichte.
Derweil in fahles Grau und Weiß
Die Locke meines Haupts verblich.
So geht's, wenn man zur Fremde fährt,
Das hat noch ſelten Heil beſchert;
Doch alte Lieb', die roſtet nicht,
Und Herzog Hans von Brabant ſpricht:
Herba flori fa!
Halt' aus, o Herz, noch faß ich's kaum:
Dort winkt ſie ſelber, mild und klar, —
Ich weiß nichts mehr von Zeit und Raum,
Da ich von ihr geſchieden war;
Ich glaub', 's war nur ein Augenblick,
Ich glaub', dort winkt mein altes Glück,
Und alte Lieb', die roſtet nicht,
Und Herzog Hans von Brabant ſpricht:
Herba flori fa!
.
Auf der Eiſenbahn.
I.
Sohn, verſäume keinen Bahnzug!
Sei genau auf die Sekunde!
Denn du weißt nicht, was im Anzug
In der Flucht der nächſten Stunde.
Sah'ſt du dort den Schleier flattern
Um den Hals, den lilienweißen?
Solche Schleier zu ergattern,
Sohn, muß man im Schnellzug reiſen.
Einmal kommt das Glück gefahren,
Einmal nur — dann iſt's vorüber!
Zeitig ſtreb' drum dir zu wahren
Deinen Platz ihm gegenüber.
Sonſt wie andre arme Narren
Magſt du drauß' im Wartſaal bleiben
Und mit pfälziſchen Zigarren
Graunvoll dir die Zeit vertreiben.
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