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Geſammelte Gedichte.
Gruß nach der Pegnitz.
Im Gartengrün am Heimathaus
Sitz' ich am Tiſch von Steine,
Hell blinkt beim Frühlingsblütenſtrauß
Der Feſtpokal mit Weine.
Bei Blütenhauch und Maiweinduft
Entſchweben die Gedanken
Vergnüglich durch die blaue Luft
Zum biedern Land der Franken.
Mir iſt, als ſeh' ich Tor und Wall
Und Burg und Kirchen ragen,
Als hör' ich Sang und Glockenſchall
Aus guter Vorzeit Tagen.
Und auf dem Markt begegnen mir
Befreundete Geſtalten,
Der guten Künſte Stolz und Zier,
Die Reichsſtadtherrn, die alten.
Den Dürer und den Willibald
Seh' ich zuſammen wandeln:
Der eine wußte, wie man malt,
Der andre, wie zu handeln.
Und lächelnd winkt Hans Sachs den Gruß,
Der Meiſter hoch in Ehren;
Sein Spruch hieß einſt: Geſell, man muß
Des Feindes brav ſich wehren!
O Nürnberg, teuerwerte Stadt,
Daß ich bin dein geworden,
Das danke ich dem Ehrenblatt
Vom Pegnitz⸗Blumenorden!
Iſt auch die Zeit kaum angetan,
Im Irrhain ſanft zu irren
Und himmelan zur Sternenbahn
Das Flügelroß zu ſchirren,
So lebt und webt doch kräftig fort
In unſer aller Mitte
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