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Geſammelte Gedichte. 143
Von Golde ſind die Schlöſſer,
Die vor der Pforten ſtehn:
So wohlgetan wird ſelten
Ein Hof von Roſen geſehn.
Wer ſchuf den Hof ſo tauglich?
Eine Maid hat es getan,
Die iſt eines Königs Tochter.
Von ihr ſagt man uns an:
Sie hat ſich angetrauet
Einem Degen wohlbereit,
In den Roſen will ſie merken
Seine Frömmigkeit.
Er gleichet einem Falken
Und trägt eines Löwen Mut,
Er hält in ſeinen Händen
Ein Schwert ſo groß und gut:
Das iſt von Nibelungen
Sein Gewaffen alſo feſt,
Daß er von keinem Übermut
Seine Mannkraft zwingen läßt.
Es hüten mit ihm der Roſen
Zwölf der beſten Mann
Die in keines Königs Lande
Man beſſer finden kann.
Die Pforten ſind weiß und golden,
Unbeſchloſſen die Tor'; G
An jeglicher Pforte liegen
Die edeln Hüter davor.
Der dort den Preis erwirbet
Zu Wormſe auf dem Rhein:
Man gibt ihm eine Jungfrau küſſen
Und ein Roſenkränzelein.
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