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Geſammelte Gedichte. 157
Klaggeſang, der Räuberhöhle zu Mannheim gewidmet.
Heil euch, die ihr mit friſchen Kehlen
Des Singens wie des Trinkens pflegt;
Ich grüß' euch all in euren Höhlen,
Iſt mir das Handwerk auch gelegt:
Denn ach! Das Ende meiner Werke
Iſt, daß — ein zweiter Tantalus —
Idgch hier auf dem „Gebreſtenberge“
Zur Buße Waſſer trinken muß!
In mancher Freinacht einſtmals Sieger,
Wie manchen Humpen ſchlürft' ich leer!
Jetzt — ach! ein invalider Krieger,
Und führe keinen Sarras mehr.
Auch wird kein „Fahnen“ mehr erbeutet
Mit Hieb und Stich beim Rebenblut ...
Kaum weiß ich noch, was einſt bedeutet
„Der Staub am Rock“, „das Ol am Hut“.
Ach! nimmer freuſt das Herz du wieder,
Vielſüßer Lumpenglockenklang,
Und nimmer machen meine Lieder
Auf Nummer Acht dem Hausknecht bang.
Zum Klaggeſang wird, was ich ſchreibe,
Und Seufzen iſt mein Zeitvertreib...
Anſtatt, daß ich mit andern kneipe,
Kneipt es mich ſelber ſchwer im Leib.
Am Breſtenberg fließt eine Quelle,
Draus ſchöpft man täglich mir den Trank ...
Der perlt verzweifelt klar und helle ...
O ſchweig, mein Lied — auch du biſt krank!
— Ein alter Räuber, fromm geworden
Und von ſich ſelber nur ein Reſt,
Grüßt ſeufzend euch mit Pindars Worten.
„Das Waſſer — — iſt — — — das Allerbeſt'!“
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