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Geſammelte Gedichte. 161
Des niederſtürzenden Wildbachs Fall;
Aber zu Häupten mir ſchwingt ſich die Fichte
Gewaltigen Stamms; dem moosüberflochtnen
Entwölbt das Geäſt ſich als Schattendach,
Vor dem ſchwarzen Dunkel der jährigen Nadeln
Erglänzen lichtgrün der Zweige Spitzen,
Des heurigen Lenzes neutreibender Anwuchs —
Der Minne gleich, die im Trieb dieſes Maien
Aus des wettergefeſteten Weidmanns Herz
Aufwuchs und Knoſpen zutag trieb. —
Wo ſinnſt du, wo weilſt du zu dieſer Stund,
Hochherrliche Frau,
Die meinem Denken es angetan,
Daß es oſtwärts gekehrt ſtets zu dir ſich ſchwingt?
Enthebſt du zur Stunde den ſchneeblanken Leib
Dem Bade und ſteigſt, von Wohlruch umhaucht,
Einer ſchaumgeborenen Göttin gleich
Zurück in die Kemenate?
. . O ſeliges Bild! Als ſtünde
Dein Schloß hier unten am Wildbach —
Als könnt' ich gefeit durch die Fenſter dir ſehn,
Erſchaut dich des Freundes fernſpähende Sehnſucht.
Jucunda, die Zofe, bringt dir die Kinder,
Sie ſtürmen zum Saale und jubeln der Mutter
Den Morgengruß
Und ſchmiegen ſich ſpielend und ſcheu in den Schoß..
Du aber neigſt dich und küſſeſt die Kleinen,
Den Jüngſten vorab; mit ſilbernem Kamm
Durchfährſt du der Locken gelbrötlichen Schwall
Und ſcheitelſt ſie fein in der Mitte
Und lächelſt ſüß, denn dein Knabe frägt:
„L'ami allemand quand reviendra?“
Stimmen des Sturmes.
O Veſperluſt, bei Nordſturmwehen,
Wenn alle Kuppen ſchneeig weiß,
Vom Luginsland hinauszuſpähen,
Die offne Bruſt dem Winde preis.
Scheffel. IX. L 11
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