Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 9: Gesammelte Gedichte)
[1916]
Seite: 169
(PDF, 39 MB)
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Geſammelte Gedichte. L 169

Mich aber freut, was immer mag geſchehen
Dem muntern Sang in Ernſt wie loſem Spuk,
Und weil er juſt will neuverlegt erſtehen,
Grüß' ich die Heimat mit dem neuen Druck.
Zum viertenmal denn, Schwarzwaldſohn, enteile,
Wo's ſchlicht und unfalſch zugeht, da kehr' ein
Und predige allum der Langenweile
Die leichte Kunſt: in Ehren froh zu ſein.
So oft man dich auch fürder will verlegen:
„Behüt dich Gott!“ .. Dies ſei mein Wanderſegen.
Seon im Aargau, November 1864.

Antwort an Dr. Wilhelm Molitor.
(Mit einem Ammoniten.)

Bedacht auf Antwort der Sonettenſpende,
Die Lob und Vorwurf ſanft mir zugeſungen,
Lenkt ſich der Schritt aus engen Niederungen
Zu dichtungweckend hohem Berggelände.

Doch ſtatt des Klingreims künſtlichem Gebände
Erfüllen mir den Sinn Verſteinerungen;
Und eine hab' ich aus dem Fels gezwungen,
Die ich zum Gegengruß nach Speier ſende.

Als Nautilus im Urmeer einſt geſchwommen,
Als ſtarrer Kalk auf Jurahöh'n gekommen,
Verwitternd dann geſprengtem Grat entnommen,

Erbittet ſich der Stein die neue Ehre,
Daß eines Domherrn Briefpult er beſchwere...
Wer geiſtig denkt, ſchöpft auch aus Steinen Lehre.

Die Walküre.
(Zu vier Holzſchnitten des Malers Canon.)

Nach Blute lechzt der Mordſtahl, den ich führe,
Stampf zu, mein Roß, und wogt das Korn auch dicht:
Ich bin der Walſtatt würgende Walküre,
Mich ruft Verblendung, denn ſie kennt mich nicht.


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