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Geſammelte Gedichte.
Im Krieg ein harter Schwabe,
Ganz hürnen und ganz Horn.
Den erſten, dem vor Zeiten
Der Name Ganzhorn ward,
Sah man in Hornhaut ſtreiten
Nach alter Recken Art.
Schwerſchuppig Herr und Schimmel,
Scharfklirrend Schwert und Sporn,
Ritt er ins Schlachtgetümmel
Ganz hürnen und ganz Horn.
Doch wenn das Trinkhorn kreiſte,
Erwuchs ſein Lorbeer neu,
Mit jedem Rebengeiſte
Stritt „trinkbar“ er „und treu“.
Im Singen brav und Sprechen
Und allzeit vorn am Born,
So war er auch beim Zechen
Ganz hürnen und ganz Horn.
Du ſollt' drum nicht verwilden,
Noch werden ſchlimmer Art;
Bei zarten Frauenbilden,
O Kind, tu immer zart.
Nur wo man Männertugend
Bedarf und heiligen Zorn,
Sei du ſchon in der Jugend
Ganz hürnen und ganz Horn.
Die Zeit iſt keine weiche,
Solang' der Weſt uns droht,
Und gute Schwabenſtreiche
Tun auch in Zukunft not.
Welch Schickſal drum dir plane,
Du freundlich Kind, die Norn':
Sei du, wie einſt dein Ahne,
Ganz hürnen und ganz Horn.
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