Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 9: Gesammelte Gedichte)
[1916]
Seite: 180
(PDF, 39 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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Geſammelte Gedichte.

Barett und Mantel ſind ſtilvoll im Schnitte,
Verwittert und ſteinrötlich ſein Geſicht:

Er nimmt vertrauend Platz in eurer Mitte,

Hebt den Pokal, ergreift das Wort und ſpricht:

„Als ältſter Baurat dieſes Badiſchen Landes
Und Torwardein des Polytechnikums,
Doch längſt bei Steinbach froh des Ruheſtandes,
Begrüß ich euch, Genoſſen deutſchen Ruhms;
Daß dies Jahrhundert ein der Kunſt verwandtes,
Iſt Saat und Frucht des Bauingeniums;
Ihr legt die Schienen engen Volksverbandes
Und ſchafft das Wohnhaus freien Bürgertums.

Ich hab' mein Werk ſpitzbogig einſt gewoben
Und viel mit Maß⸗ und Stabwerk mich gepeint;
Harmoniſch hat mein Langhaus ſich erhoben
Und „gut in Wirkung“, wie Freund Lübke*) meint.
Auch darf man der Faſſade Reichtum loben,
Mein Roſenfenſter iſt nicht ſchlecht erdacht,
Und der durchbrochene Turmhelm ſtrebt nach oben
Wie ein Gedankenflug in kühner Pracht.

Seht dort des Rheines Streif, den ſilberweißen,
Dort ragt, was ich erſann, verklärt und fern
Im Purpurduft des Abends, und mit leiſen

Glutſtrahlen küßt die Sonne ſeinen Kern.

Das war ein Mauern, Meißeln, Grundrißreißen,
Da Biſchof Konrad mich als Hüttenherrn
Zu jenem Bau berief, da galt's, ſich fleißen;
Doch Frau und Sohn und Tochter folgten gern.

Gott und dem Reich in freiem Steinmetzorden
Zu dienen, ſchien uns frommer Zunftberuf,
„Aus rauhem Stein ſind zarte Heil'ge worden“,
Schrieb man zum Bildwerk, das Sabina ſchuf*).

*) Geſchichte der Architektur, III. Auflage, S. 557.

**) Gracia divinae pietatis adesto Sabinae,

De petra dura per quam sum facta figura.
Spruchband an der Portalſtatue des heil. Johannes.


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