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Geſammelte Gedichte.
Franz von Kobell zum 25 jährigen Doktorjubiläum.
Er ſchlug nicht Erzſtufen und Handſtücke nur
Aus des Hochgebirgs heimlichen Klüften:
Sein Stutzen folgte des Gamstiers Spur
Und des Birkhahns Flug in den Lüften.
Ihm wurden die Geiſter des Wildwalds vertraut
Und die edelſteinhütenden Zwerge:
Seiner Lieder kriſtallklarer Jodellaut
Bleibt ein Kronjuwel bayriſcher Berge.
Hoch ſchwing' ich im Becher des Schaumweins Gewog,
Den Jubeldoktor zu preiſen:
Es verſteht ſich kein anderer Mineralog
Wie er auf den Stein der Weiſen!
Für Iſabella Frida Rothpletz.
Geb. 9. März 1874.
Vorfrühling ringt noch mit Schnee und Sturm,
Wir lachen des Flockengeſtiebes: L
Blüh' hold und träum' Gutes im alten Turm,
Märzenveilchen, du liebes!
An Emma Heim.
I.
„Es ſteht ein Baum am Bodenſee,
Dran reift manch ſüßer Kern,
Ein Hüttlein ſteht nicht weit davon
— Mein M, ich hab dich gern“...
.. . Dies iſt, da ich nichts Beßres weiß,
Für heut mein Brief nach Bern.
II.
Du Hohe, Große, Schlanke!
Was wünſcht man an dieſem Tag?
— Zwei Seelen und ein Gedanke,
Zwei Herzen und ein Schlag!
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