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Geſammelte Gedichte. 197
Gedenkſpruch
der löblichen Geſellſchaft „zu Zimmerleuten“ in Freiburg i. Br.
Wer ſein Leben auf 50 Jahre gezimmert
Und viel geſcherzt hat und wenig gewimmert,
Dem geziemet auch wohl ein Zimmerſpruch,
Denn allerhand gab es zu meſſen und hauen,
Manch' ſtrengen Werktag, manch' ſänftlichen Blauen,
Manch' Hobeln und Spänen in Keller und Küch'.
Doch der Bauherr der Welt half eh'dem wie jetzt,
Der Kranz iſt auf das Geſpärre geſetzt,
Die Fugen ſcheinen zu halten:
Das Handwerk in Freiburg begrüße ich heut,
Den Meiſter und ſämtliche Zimmerleut',
Gott laß uns feuchtfröhlich veralten!
Mit herzlichem Dank für die Glückwünſche zum 50 jährigen
Geburtstage der Verszimmerer und Jubilar.
Des Meiſters Joſephus zu Karlsruhe Jubiläumsdank
an die Anwälte des Kreisgerichts Dortmund.
Ein Glückwunſchgepraſſel, wie Hagelſchlag dicht,
Läßt kaum mich noch feſt auf den Füßen,
Doch will ich am Dortmunder Kreisgericht
Die Anwaltkammer begrüßen.
Heut bin ich geplagt, doch im Sommer ſitz'
Ich zu Radolfzell ohne Sorgen,
Dort liegt im gewölbten Kellerſchlitz
Manch Stückfaß Seewein verborgen.
Für manchen, der nur neugierig ankehrt,
Heißt's dort: „Nescio quid latet“;
Doch, ſo einer von euch des Weges fährt,
Der merke ſich: „Janua patet!“
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