Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 9: Gesammelte Gedichte)
[1916]
Seite: 202
(PDF, 39 MB)
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202

Geſammelte Gedichte.

Wie ein fragwinkend Auge der Erde herauf
Grauſilbrig den Bergſee erfunkeln.
Gneisfelſen ſtehn ob der Wieſentrift
Und da, wo die Hochtannen lichter,
In mächtigen Lettern die Felswandſchrift:
„Saekkingen die Stadt ihrem Dichter!“

Und als ich vor Ballys Schlößlein ſtand,
Da ſtand auch er, mein Trompeter,
In Erz gegoſſen von Meiſterhand,
Und Mann wie Buch kennt ein jeder;
Und als mir die freundliche Wirtin im Bad

Nicht erlaubte, die Zeche zu zahlen,

War's klar, daß ob uns und Sankt Fridolins Stadt
Heilwaltende Sterne erſtrahlen.

Fürwahr, die Trompete blies kräftig ſich Bahn
Durch Unkunſt und epiſche Wildnis; õ
Der Verleger ſchließt unſerm Jubel ſich an
Und verlangt vom Verfaſſer ſein Bildnis.
Wie das Werk er geſchmückt, nehmt gütig es hin,
Uns fürder Gewogenheit ſchenkend
Und, wenn ich nicht mehr hienieden bin,
Des Schwarzwaldwandrers gedenkend.

Karlsruhe, im Oktober 1876.

Der deutſche Rhein ſeiner Kaiſerin.

Rheinabwärts fuhren Germanen
Zum Streit wider Gallien und Rom.
Da warf ihre Prieſt'rin huldwerbend
Ein Weihegeſchenk in den Strom.

Ein Armband, köſtlich und teuer,
Das die herrliche Hand ihr umfing;
Echtgoldig, wie Sonnenfeuer,
Vier Drähte, verflochten zum Ring.

Aufblitzt' und verſank es zur Stunde,
Der Rhein nahm's treu in Verwahr
Und ſprach zu den Nixen im Grunde:
Nun hütet's mir manch tauſend Jahr!


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