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Geſammelte Gedichte. G 205
Der Sieben Weiſen Kegelſprüche.
„Meide im Anwurf den Stier,“ ſo lehrt Kleobulos von Lesbos,
„Meide den Schuſterſtuhl auch!“ ſpricht Ephyras Sohn
Periander.
„Sandhas, du unrein Getier!“ ſchilt Pittakus von Mitylene;
„Gaſſenkeil ſtechen iſt ſchwer,“ wie Bias meint, der Priener.
„Bandeln bringt niemals Gewinn,“ klagt Chilon, der Weiſe
von Sparta,
„Raub' dir nicht ſelber den Kranz!“ ſo warnt der Mileſier
ales.
„Töte den Kegelbub nicht!“ dies gebeut der Kekropier Solon.
Jubiläumsgruß
zum 25jährigen Regierungsjubiläum des Großherzogs Friedrich
von Baden. 24. April 1877.
Heut weh'n die Banner gelb und rot,
Heut jubiliert das Badnerland,
Daß es in Freud wie Leid und Not
In Friedrich ſeinen Führer fand.
Was nebelfern, erreichbar kaum
Vor fünfundzwanzig Jahren ſchien,
Gelobt ſei Gott! es blieb kein Traum,
Es ward erreicht durch Gott und ihn.
Der Zwietracht Wunden heilgenarbt,
Das Land verſöhnt und wohlbeſtellt,
In milder Pflege, wer noch darbt,
Gleich einem Garten Wald und Feld,
Des Rheins Geländ', des Schwarzwalds Höh'n
Durchſchnaubt von frohem Dampfroßſchall,
Die Städte neugebaut und ſchön —
Gewerb' und Schulen überall.
Im Glauben keine Scheidewand,
Ein ſittig Volk in Bildung frei,
Geeint durch der Verfaſſung Band,
Dem Kaiſer und dem Reiche treu,
Familienglück in jedem Haus,
Des Lebens Müh'n und Kunſt verklärt —
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