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214 Geſammelte Gedichte.
Autograph.
(Antwort auf eine Anfrage über die „ethiſche Auffaſſung der Ehe
bei den Pfahlbauern“.)
Mit Ocker rot ſich ſchminken
Sah man des Pfahlbauern Weib —
Ihn mit dem Zaunpfahl winken
Und bläuen ihren Leib.
Antwort.
Alle gewannt ihr mich, ihr Zehn, durch den Gruß zum G
urtstag,
Werft nun die Loſe, auf daß eine mein Bildnis gewinnt.
An Paul Heyſe
zum 15. März 1880.
Wer der Sonne nach will ſtreichen,
Des Leben darf nicht ſänftlich ſchleichen;
Drum haſt du dich ernſtlich mit Singen und Sagen
Gemüht, ſeit in ſtrebſamen Jugendtagen
Als Paeſtumfahrer, der Heimat fern,
Wir Amalfi ſtreiften und Salern.
Manch hohen Preis gewann dir Kunſt
An Frauenlieb' und Herrengunſt,
Gewogen ward dir der Deutſchen Herz
Ob geiſtvoller Dichtung Anmut und Scherz,
Ob reiner Reime ſchalkhafter Wendung,
Ob feiner Dramen ſichrer Vollendung.
Von ernſten Matronen wie frohen Geſellen
Erſchallt der Ruhm deiner Proſanovellen,
Derweil, befriedigt von mancher Probe
Grammatiſchen Wiſſens, mit reifem Lobe
Romaniſch und ſpaniſch gelahrte Männer
Zunicken: „Solcherlei freut den Kenner!“
Und was ſie als Freigeiſterei kritikaſtern,
Das gefällt erſt recht den alten Scholaſtern.
Du aber, glücklich und klaſſiſch heiter,
Geſtalteſt und ſchaffſt ſtets weiter und weiter.
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