http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw9/0216
216 Geſammelte Gedichte.
Der Gräfin Euphemia von Balleſtrem
(in ein Exemplar der Waldeinſamkeit).
Euphemia — der Name geht
Ins Griechiſche zurück:
Ich ſpreche gut, erzähle gut,
Meine Worte künden Glück.
Kein Wunder, daß ſich wiederum
Des Namens Kunſt bewährt;
Wie iſt „Raoul, der Page“ *), friſch
Mit Singemund und Schwert.
In hohen Freuden biet' ich ihm
Ein ehrendes Quartier...
Dies Büchlein fliegt als Gegengruß,
Euphemia, zu dir!
Kiſſingen.
Kiſſingen — lieblich Tal der Saale,
Hier ſpendet Zauberin Natur
Mit perlenreichem Sprudelſtrahle
Den Quell Rakoczy und Pandur.
Das iſt das echte Salz der Erde,
Das flüſſig aus der Tiefe ſpringt
Und dem, den Siechtum ſchwer verſehrte,
Verjüngtes Blut und Leben bringt.
Hier wendet alles ſich zum Guten,
Und tauchſt du ſelbſt in Schlamm und Moor:
Du ſteigſt aus ſtygiſch ſchwarzen Fluten
Von Schmerz befreit ſchneeblank hervor!
Der Wiener Studentenſchaft zur Kaiſer⸗Joſeph⸗Feier.
„Zu früh — zu früh!“ ſo ſchalten viele,
Was Kaiſer Joſeph kühn geplant,
Als käme Heilung je zu frühe,
Wenn längſt das Übel ward erkannt.
*) Balleſtrem, E., Raoul, der Page. Ein Sang aus alten Tagen. Bartho⸗
lomäus, Erfurt.
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw9/0216