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222 Geſammelte Gedichte.
Und wer heut im Schutz des Reichsaars von dem Turmberg
niederſchaut,
Sieht Alt⸗Durlach längſt verjüngt als freundlich Städtlein
neuerbaut,
Und ſieht jenſeit hoher Pappeln eine neue Landhauptſtadt,
Die im Eiſenbahnjahrhundert flott ſich aufgeſchwungen hat.
Bürger, deren Stolz die Arbeit, ſchaffen dort und freuen ſich,
Daß für immer von des Rheines Ufern Galliens Hahn entwich.
Dankbar winden ſie den Feſtkranz für ein teures Jubelpaar,
Und ſie preiſen Gottes Güte, denn er waltet wunderbar.
Gedenkblätter.
(Zum 20. September 1881.)
I
Silbern ward der Myrte Grün,
Gottes Segen waltet;
Schmucker Sproſſen drei erblühn,
Badens Stamm nicht altet:
Echter Liebe Zauberkraft
Aus dieſem Silber Gold einſt ſchafft.
II.
Iſt auch ein Vierteljahrhundert entſchwunden
In der Erinnerung glücklicher Stunden,
Bleiben die Herzen gleich innig verbunden,
Und um der Myrte gediegenes Silber
Schlinget ein Zweig ſich von Immergrün.
Nachſchrift
zu Joſephine Scheffels Gedicht: „Lied im Schloß Favorite“.
Dieſen Sang vom Türkenludwig hab ich ſelber nicht erdacht,
Aus der ſel'gen Mutter Reimbuch hab ich ihn zum Druck ge⸗
bracht.
Tapfere Tat zu Deutſchlands Ehren ihres Liedes Freude war,
Lebte ſie den heut'gen Tag, ſie brächt' es ſelbſt als Feſtgruß dar.
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