http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw9/0225
Geſammelte Gedichte.
Und wir, wir wollen allezeit
Dir gut und artig ſein,
Daß dir die Stadt am Donauquell
Als Heimat ſtets erſchein'.
Denn alles, ſelbſt der Donauquell,
Meint's treu und gut mit dir,
Die Donau iſt ja ſelbſt hier noch
So klein und jung wie wir.
Und fliegt im Braus des Frühlingswinds
Der Storch aufs Schloß hinauf
Und bringt dir einen kleinen Prinz,
Dann rufen wir „Glück auf!“
zu einem Aquarell-Strauß von Frida ** Weihnachten 1881.
Scheffel. IX.
Gentiana cruciata
Wo ſich in Schilf und Rohren
Der Unterſee verliert,
Hat unſre blaue Heerſchar
Den Wieſengrund geziert.
Warm ſchien in unſren Kelchen
Die Sonne auf den Tau,
Und Himmel, See und Ufer
Erſtrahlten blau in blau.
Und wurden wir gebrochen,
So ſchmückten wir als Strauß
Noch lange Winterwochen
Ein freundlich Dichterhaus.
Drum ſind wir nicht erſtorben,
Sind unverwelkt und jung,
Und unſre Seelen leben
Als Mettnau⸗Erinnerung.
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