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2²⁶ Geſammelte Gedichte.
Die Saline Dürrheim
ihrem verehrten Verwalter, Herrn Bergrat Honſell, zum Abſchied.
(Juli 1881.)
Wo ſich im dunkeln Erdenſchoß
Ein Urweltmeer verloren,
Da ſchaffen wacker wir drauf los
Mit Schöpfen, Sieden, Bohren.
Des Vorſtands Beiſpiel ging uns vor,
Und die Saline ſteht in Flor.
Die Knappſchaft ruft: Glück auf!
Glück auf! Glück auf!
Zwar ſtehn wir ſchmuck und feſtlich da
Im neuen Bergmannskleide,
Doch allen geht die Botſchaft nah,
Daß unſer Bergrat ſcheide.
Im Fackelzug der Sommernacht
Sei ihm ein dankbar Hoch gebracht!
Die Knappſchaft ruft: Glück auf!
Glück auf! Glück auf!
Er war ein braver Salzwardein
Und wußt' ſein Amt zu fülren
Wie Dürrheims Salz, ſchneeblank und rein,
Drum darf ihm Preis gebühren.
Pflichttreuen Mann vergißt man nicht,
Ganz Dürrheim ſpricht: Vergiß uns nicht!
Die Knappſchaft ruft: Leb wohl!
Leb wohl! Leb wohl!
Und dies Lebwohl gilt nicht allein
Dem Vater ſeiner Leute,
Wir denken einer Stimme fein,
Die uns ſo oft erfreute:
Dem Bergrat wie der Bergrätin
Folgt unſer Gruß zur Ferne hin.
Die Knappſchaft ruft: Leb wohl!
Leb wohl! Leb wohl!
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