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Geſammelte Gedichte. 233
Nimm's hin — der böſe Zahn
Bringt nimmer dir ein Leid,
Und du bleibſt jung und ſchmuck
Bis an die Ewigkeit!
Autograph für Marie Jerſchke.
Iſt es auch ein Autograpf,
Den dein Brief begehret,
Sei er dir als Autograph
Freundlich doch gewähret.
Könnt' ich ſelber noch wie du
Den Trompeter leſen —
Ach, wo iſt die goldne Zeit,
Da ich jung geweſen! —
An Nataly von Eſchſtruth.
Elias, der Seher und Gottesmann,
Bedroht von der Baalspropheten Bann,
Verzog als vernünft'ger Politiker ſich
Zur Wüſte, die gen dem Jordan ſtrich.
Um Speiſe und Trank war keine Not,
Die Raben brachten ihm Fleiſch und Brot,
Und ſolang der Bach Krith nicht vertrocknet ſtand,
Trank er des Bachs mit der hohlen Hand.
Wie komfortabel wird's heutzutag
Dem frommen Sänger in Drangſal und Plag.
Er hauſt, ruht auch der Arm in der Schlinge*),
Im Bücherſaal fröhlich und guter Dinge.
Und es fliegen zum heimiſchen Seehaldewein
Gansleberterrinen zum Fenſter hinein,
Gewürzt mit des Kranzes Lorbeerblatt,
Den jüngſt ein „Sturmnix“**) erbeutet hat.
*) Nach einem Sturz auf der Treppe.
**) Die Sturmnixe. Dichtung von Nataly von Eſchſtruth.
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