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Geſammelte Gedichte.
Gebet und Frühlingsjubel,
Freiheit und Bergesluſt:
Das wobſt du in Akkorde
Wie keiner je zuvor
Und formteſt Uhlands Worte
Zum deutſchen Männerchor.
Und was im Spiel der Bühne
Die Hörer gern entzückt,
Der Oper leichter Zauber,
Iſt mühlos dir geglückt;
„Nachtlager“ und „Verſchwender“,
Wer kennt nicht ihren Sang
Und ihren ſeelenvollen
Tiefſinnigen Liedesklang?
Wohlauf, vereinte Chöre,
Nun kündet aller Welt,
Wie hoch die Schwabenheimat
Den ſchlichten Meiſter hält!
Er ruht in nordiſchem Lande
Von Erdennot und Leid —
Sein Genius errang ihm
Ruhm und Unſterblichkeit!
An Fräulein Marie Etzweiler,
in Stein a. Rh. zum Neujahr 1884.
Mög ſich dein Lied ſo hell und rein
Und kräftig wie der junge Rhein
Noch oft am Fuß des Hohenklingen
Wie Glockenton zum Himmel ſchwingen.
Dem Generalarzt des XIV. Armeekorps,
Herrn Dr. Bernhard von Beck
zum 10. Februar 1884.
Dem Mann hat Gott ein gutes Los beſchieden,
Dem als Gefährtin ſich die Heilkunſt eint,
Des Menſchenelends Tröſterin im Frieden,
Der milde Stern, der auf die Walſtatt ſcheint.
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