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Geſammelte Gedichte.
Drum ehren heute die Berufsgenoſſen
Den Jubilar, dem ſolch ein Bund geglückt,
Der Jahre vierzig ſind dahingefloſſen,
Seit ihn Alt⸗Freiburgs Doktorhut geſchmückt.
„Niemalen rückwärts, allzeit unermüdlich“,
Des Vaters Wahlſpruch ehrend durch die Tat;
Im Lernen ſcharf, im Freundesbund gemütlich,
Im Kampf ums Daſein kühn wie ein Soldat:
Erkor er freudig ſeinem jungen Wiſſen
Die ſchöne Praxis, wie man Wunden heilt,
— LVielleicht daß er, des Fechtens wohlbefließen,
Auf der Menſur ſelbſt manche ausgeteilt.
Die Glieder retten, nicht nur amputieren,
Verband anlegen, der die Schmerzen ſtillt,
Mit ſichrem Griff und Druck manipulieren
Und Säg' und Meſſer führen, wo es gilt:
Wer das verſteht, den lockt zum Feld der Ehre
Die Schlacht, der Männer und des Kriegsherrn Ruf,
Und erſt wenn ſich verzog des Kampfes Schwere,
Übt er zu Hauſe ſanfteren Beruf.
Dann mahnt die Pflicht, Nothelfer zu erziehen
Und tüchtige Mannſchaft für die Sanität,
Fahrzeuge bilden, Trägerkompagnieen
Und kundige Wärter in dem Lazarett.
Daß alles ſo kam bei den deutſchen Waffen,
Hat vorarbeitend er ſich nicht geſpart
Und treu am edeln Werke mitgeſchaffen,
Das durch die Genfer Satzung Wahrheit ward.
Arzt der Soldaten wie der Generale
Und General der Jünger Äskulaps,
Ein Vorbild allen, die Hygieas Schale
Dem Heere weihn im Dienſt des Schlangenſtabs,
Geh freudig deinem Jubeltag entgegen,
Hell ſtrahlt das rote Kreuz im weißen Feld,
Denn auch der Kriegsarzt, der im Kugelregen
Der Menſchheit dient, führt Waffen wie ein Held.
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