http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw9/0241
Geſammelte Gedichte. 241
Lebt wohl, lebt wohl! Es naht die Zeit,
Der man den letzten Becher weiht
Und ſcheidet, dankbar im Gemüt.
Auch uns hat heut
Der Mai erfreut — L
Wer weiß, ob er mir wied'rum blüht?
Zum 40 jährigen Stiftungsfeſt der Burſchenſchaft „Teutonia“
in Jena.
Ahnend ſchauen, — Gott vertrauen,
Lebend'gen Quell nicht rückwärts ſtauen,
Mehr vermochten die Alten nicht:
Uns vom Feind herauszuhauen,
Vereint am Reiche weiterbauen,
Iſt des heut'gen Mannes Pflicht!
Herrn Oberlehrer Dr. Franz Weinkauff, Köln.
Cantus tabernae resonant
Et musica poculorum:
In libro tuo redivivus
Spiritus Vagorum.
Zum Jubiläum
des fürſtlichen Hofmalers und Galerie⸗Inſpektors Heinrich Frank
in Donaueſchingen.
Aus dieſem ſchmucken Deckelkrug
Erfreu' den Meiſter noch mancher Zug.
Geht's auch nicht mehr wie in jungen Tagen,
So darf man doch noch keck eins wagen;
Die Kunſt hält jung, die Kunſt hält friſch,
Drum zier' er oft gefüllt den Tiſch:
Wie Abendgold und Firnenſchein
Mög', Freund, dein eigen Alter ſein!
Scheffel. IX. 16
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw9/0241