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Geſammelte Gedichte. 247
Dein Leib verweſt, dein Haus zerfällt,
Staub wird einſt alle Erdenwelt;
Doch niemals ſtirbt, was Menſchenkraft
Im Geiſt und in der Wahrheit ſchafft.
*
An der dem Berg zugekehrten Seite.
Blilick aus, wie Mönch und Eiger ſtrahlt
Und wie die Sonne Landſchaft malt,
Dann ſchaff dein Tagwerk ſchön und treu,
Daß auch dein Tun die Welt erfreu'.
* .
Wie Alpenfirnſchnee, blank und rein,
Halt Leben und Gewiſſen dein.
Selig, die reines Herzens ſind,
Sie ſchauen Gott als Gottes Kind.
*
Als Pilger gehn wir durch die Welt
Und bald iſt uns ein Ziel geſtellt.
Heil jenen, wo auf Haus und Gut
Entſchwundner Liebe Segen ruht.
Soldatenſpruch.
Bedachtſam erſt erwägen,
Sich ohne Zweck nicht regen,
Doch dann mit ſtarken Schlägen
Den Feind zu Boden legen —
Das freut die alten Degen!
Künſtlerſpruch.
Kunſt gibt uns das Geleite
In unbekannte Weite,
Kunſt gibt uns Gottvertrauen
Und frohen Lebensmut...
Wer ſtrebt und ſchafft,
Bleibt jung an Kraft.
Friſch vorwärts drum
Und kehr' nicht um —
Du wirſt dein Ziel erſchauen,
Und alles wird noch gut!
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