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Geſammelte Gedichte. 251
„Zerſtören — neu dann werden —
Eis — Windſturm — Blütenkeim!...“
Menſch, ahne hier auf Erden
Des Weltalls Frühlingsreim!
*X
Wen freut nicht in des Lebens Morgen
Der Märchen heitres Zauberland?
Denn Weisheit liegt in ihm verborgen
Wie lautres Gold im Rheinesſand.
Wohl dem, der auch in ſpäten Jahren
Den offnen Sinn dafür erhält;
Ein kindlich Herz wird ihn bewahren
Vor vielem Schein und Tand der Welt.
*
An Gottes Segen
Iſt alles gelegen;
Er kommt dir entgegen,
Du mußt ihn nur pflegen
Und darfſt ihm nur ſelber
Den Weg nicht verlegen!
*
Mög' ſich kräftig, friſch und rein
Deine Kunſt entfalten!
Laß dich nicht in Myſtik ein
Und Erdgeiſt⸗Traumgeſtalten:
In des Taglichts goldnem Schein
Muß Nebelduft ſich ſpalten,
Heller als hellſter Sonnenſchein
Flammt Gottes Weltenwalten!
*
Wer da ſteuert irdiſche Bahnen,
Lernt der Zeit Vergänglichkeit,
Doch als Kompaß weiſt ein Ahnen
Uns nach ferner Ewigkeit!
*
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