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258 Geſammelte Gedichte.
S. 16. Der letzte Alemanne. Aus der Bierzeitung der Alemannia 1845.
Hier nach einer Abſchrift im Schwanitznachlaß; zum Teil auch bei Kußmaul,
Jugenderinnerungen eines alten Arztes. 4. Buch. — Strophe 17: nach Wies⸗
loch iſt Kußmaul, nach Karlsruhe Bronner gezogen, während Schwanitz
und Kamm nach Jena übergeſiedelt ſind. Über dieſe Perſönlichkeiten vgl. Proelß
S. 55. — Der „Tſcherkeß“ war die Kellnerin im „Horn“ zu Heidelberg.
Kußmaul teilt in ſeinen Jugenderinnerungen überdies noch ein Bruch⸗
ſtück aus einem anderen Jugendgedicht Scheffels mit, das gleichfalls durch den
Untergang der „Alemannia“ veranlaßt worden iſt. Leider hat ſich das Ge⸗
dicht unſeren Nachforſchungen entzogen. So müſſen wir uns darauf beſchränken,
Kußmauls Textprobe hier wiederzugeben. Das in den Oſterferien 1845 ent⸗
ſtandene Gedicht, das als kunſtreicher Chor nach Sophokles mit Strophen
und Antiſtrophen entworfen war und einen verſchwenderiſchen Reichtum an
Anapäſten nach Platens Art aufwies, enthielt folgende Stelle:
„Denn war's nicht fidel, als hier in dem Horn, im menſchengefülleten Saale
Zuſammen noch kam, wer immer das Haupt mit blauer Mütze bedeckte?
Und als im Geſpräch die Meinungen laut man wechſelſeitig vertauſchte
Und die vollen Gläſer ertönten mit Macht, und der Geiſt ſich rieb an dem Geiſte?
Das rege Leben beſtehet ja nur im Kampfe der verſchiednen Prinzipe,
Und gewähret mehr Luſt, als wenn ſich nur Gleichdenkende abſeparieren,
Und dieſer weiß ſchon, was jener will, und jener, was dieſer ſich denket.
Drum preiſ' ich mir auch die Vergangenheit an, wo ſtolz noch trug ſeine Krone
Der kräftige Stamm, Alemannia genannt, als weithin ſchauende Eiche!“
Ein Stoßſeufzer, gekleidet in die Proſa des Wittelsbachiſchen Dichterkönigs,
ſchließt den rührenden Geſang:
„Ich aber — geſungen habend — ein müder Barde,
Zieh mich zurück in die alte leuchtende Urnacht meines Geiſtes.“
S. 20. Abſchiedslied. Nach Schwanitz' Niederſchrift. Vgl. auch Kußmaul
a. a. O. 4. Buch. Das Ganze ein Spottgedicht auf den ultraradikalen „Neckar⸗
bund“, der unter Carl Blinds Führung in extremſter Demokratie machte.
S. 23. An Schwanitz. Aus Schwanitz' Nachlaß. Notiz von Schwanitz über
Scheffels Berliner Zeit: „Weihnachten, Humbert und Lobeck, je eine Flaſche
Lichtenhainer und Köſtritzer.“
S. 25— 35. Lieder eines fahrenden Schülers. Nach den „Fliegenden
Blättern“ V. Bd., Nr. 116, 151,153. Zur Erläuterung: Briefe an Schwanitz
S. 87 und „Deutſche Rundſchau“ Bd. 138 (1909), S. 241 ff. Die mehrfach aus⸗
geſprochene Vermutung, die Zeichnungen zu den Gedichten in den „Flieg.
Bl.“ rührten von Sch. her, kann der Herausgeber wenigſtens z. T. beſtätigen. Im
Beſitze der Erben von Schwanitz befindet ſich eine Bleiſtiftzeichnung der Kunitz⸗
burg, darauf iſt bis ins einzelne genau die Geſtalt des fahrenden Schülers
dargeſtellt wie in Nr. 116 der „Fl. Bl.“. Die Leitung der Zeitſchrift nennt
als Zeichner C. Schmolze und Stauber.
S. 35. Ilſenzauber. Nach einer Abſchrift im Schwanitznachlaß.
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