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Anmerkungen zu einzelnen Gedichten. 259
S. 36. Frommer Wunſch. Nach „Flieg. Bl.“ Bd. VII, Nr. 146.
S. 37. So ſtudiert man zu Heidelberg. Nach Schwanitz' Abſchrift.
Vgl. Briefe an Schwanitz S. 87: Bei der Gelegenheit fällt mir ein:
Haſt du ſchon die Lieder des alten Perſers Hafis, überſetzt von Daumer, ge⸗
leſen? Wenn Du einmnal wieder einen recht friſchen Ton, wie von Pokal⸗
anſtoßen und Sang und Klang in Dir ertönen laſſen willſt, ſo nimm die Lieder
dieſes Biedermanns zur Hand, der ſchon vor 500 Jahren ſo vernünftig war,
Dogmatik und Aſzeſe mit der Weintaberne und dem Kultus des Schönen zu
vertauſchen und dem ein Engel vom Himmel den Bericht brachte: „Am Jüng⸗
ſten Tage gilt Kapuze, Scheich und Mufti keinen Deut, — Du bete Gott den
Herrn in Weinſpelunken an und zittre nicht!“ — Wenn mir das römiſche Recht
gar zu trocken wird, ſo hole ich unter den großen Flügeln des corpus juris
den alten Hafis hervor, — der bringt wieder Leben in den Menſchen. Der
lange Braun hat uns verſprechen müſſen, ihm in ſeinen Weltliteraturvor⸗
trägen zum mindeſten eine Stunde zu widmen.
S. 38. Reiterlied. Nach den „Flieg. Blättern“ Bd. VII, Nr. 150.
S. 39. König Krok. Nach Schwanitz' Abſchrift. Das Kraftwort: „Alles
muß verruinieret ſein“ war damals in Heidelberger Studentenkreiſen ſehr be⸗
liebt. Sch. legt es dem Salmenfiſcher Nebi in der Erzählung Hugideo in den
Mund (vgl. Bd. 2, S. 68). Auch Scheffels Studienfreund Ludwig Eichrodt hat
ein Gedicht „Crok der Alemanne“ geſchaffen (Lahrer Kommersbuch).
S. 40. Erinnerung an Sie. Nach Schwanitz' Abſchrift. Vgl. die Brief⸗
ſtellen Jäckels an Schwanitz, Berlin, 26. März 1851: „Deine Reiſebeſchreibung
hat mir viel Vergnügen gewährt, indem ſie mich an ſo manche mir liebe Stelle
erinnert, ſo wie ſie mir von Luiſens Schatten, namens Joſeph,
Kunde bringt.“
S. 41. Rodenſteins Auszug. Bgl. Proelß S. 67 ff., S. 77 f. Im Gegen⸗
ſatz zu Proelß will Lorentzen (Die Sage vom Rodenſteiner. Heidelberg 1903,
S. 54 ff.) das Lied ins Jahr 1859 verlegen und betrachtet es als ein aus den
politiſchen Wirrniſſen dieſes Jahres heraus geborenes vaterländiſches Be⸗
kenntnis.
S. 41. O Katzenjammer. Nach Schwanitz, aus einem Brief von Scheffels
Studienfreund Regierungsrat Guido Jäckel vom 28. Auguſt 1855. .
S. 42. Schwanengeſang. Das Abſchiedslied Scheffels an das Studenten⸗
leben Proelß S. 55, 80 f. Über Scheffels Autorſchaft iſt viel disputiert worden.
Doch hat Schwanitz alle Bedenken beſeitigt, dem Scheffel das Lied beim erſten
Beſuch in Eiſenach bez. Wartburg am 13. Juni 1848 ſelbſt in ſein Kommers⸗
buch eingetragen hat. Vgl. „Tägl. Rundſchau“ 1886, Unterhaltungsbeilage
Nr. 194, 196, 229. Wir fügen noch zwei weitere Beweisſtellen an: Eduard
Rahn an Schwanitz, Berlin, 20. Oktober 1847: Auf das Verbindungsleben
werde ich hier wohl verzichten müſſen, denn Berlin ſcheint nicht der Boden
für ein ſolches zu ſein. Das ſagt ſelbſt Joſeph, der ja auch wie ich den Wahl⸗
ſpruch hat: Verbindung, Verbindung, es kann nicht anders ſein.
Amtsgerichtsrat A. Jungherr in Eiſenach an Schwanitz, 1. Oktober 1886 er⸗
zählt von der Heidelberger Frankonia (1847/48): Außerdem war aber der
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