Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-1
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (1)
[1919]
Seite: 8
(PDF, 92 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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Scheffels Leben und Werke.

Weiblichkeit“, „das Vorbild einer edlen deutſchen Fungfrau“ wollte
ſie manchen erſcheinen, und noch läßt ihr Bildnis die Anmut ihrer
Züge wie ihrer Haltung ahnen. Ihr früher Tod war ein ſchwerer,
nie verwundener Schlag für die Ihrigen, vor allem den Bruder.
Das Vermögen der Gattin hatte den Vater inſtand geſetzt, bald
nach der Geburt des Sohnes ein Haus in der Stephanienſtraße in
Karlsruhe zu erwerben, das lebenslang der ruhende Pol wurde
für unſeren unruhigen, landfahrigen Dichter, der Hafen, in den er,
trotz aller Abneigung gegen Karlsruhe und ſeinen Rheinſand,
immer wieder vor Anker ging. Das Haus lag damals noch ganz
im Grünen, ſein Garten verlief in den Hardtwald. Auf ſeine
Wipfel ſah mit ihren Fenſtern auch die Manſardenſtube, die dem
aufwachſenden Sohne früh eingeräumt ward, das vielgenannte
„Grüne Zimmer“; hier konnte er ungeſtört ſeine Studien betreiben,
ſeinen Träumen nachhängen, ſeine ſtarre, zur Einſamkeit neigende,
männliche Natur ausbilden.

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Das junge Karlsruhe, damals mehr als heute eine freundliche

Gartenſtadt, noch allenthalben mit dem Hardtwald verwachſen
und in ihn übergehend, herbergte doch bereits ein geiſtiges und
künſtleriſches Leben von Belang. Theater, Konzerte, Ausſtellun⸗
gen boten mannigfache Anregung. Die Begabung der Kinder
und die Neigungen der Mutter führten geiſtig bedeutende Men—
ſchen häufig ins Haus, Künſtler namentlich wie Moritz von Schwind,
Feodor Dietz, den Maler und Gal Erẽ direktor Frommel, den
Baurat Hühſch; der dem jüngeren Karlsruhe ſein bauliches Ge—
präge gab, die Schauſpielerin Wilhelmine Thöne, verehelichte
von Cornberg, und andere. Mutter und Tochter zeigten Liebe
und Begabung für die Muſik, die unſerem Dichter, der ſo ausge⸗
ſprochen muſikaliſche Lieder ſchuf, in ihrer geprägten Kunſtform
lebenslang fernſtand; er war unmuſikaliſch und konnte nicht ſin—
gen. Die vom Vater ererbte Befähigung zum Zeichnen dagegen
teilte er mit der Schweſter, bei der die Eltern ſie durch tüchtige
Lehrer kunſtgerecht ausbilden ließen. Daß die Dichtung im Hauſe
der Frau Major eine bedeutende Rolle ſpielte, verſteht ſich.
Uhland, Lenau, Anaſtaſius Grün zeichnete ſie durch beſondere
Verehrung aus, Johann Peter Hebel war Liebling auch des Va⸗
ters. Der Zuſammenſetzung des Großherzogtums entſprechend
war die auf fränkiſchem Boden gelegene Hauptſtadt durchweg ſtark
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