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1. Kindheit und Studienjahre (1826— 48).
rung führte ihn durch die Lechgegend, wo er in Altenſtadt bei
Schongau vier Tage lang nach der romaniſchen St. Michaels—
kirche zeichnete, und Hohenſchwangau an den Bodenſee; mit leerem
Beutel und abgeriſſenen Kleidern kam er ſchließlich als „Halb—
5 knote“ in Geſellſchaft eines Handwerksburſchen nach Freiburg und
endlich nach Karlsruhe, über deſſen Trübſeligkeit er ſich damals
ſchon unzufrieden äußert.
Ende Oktober 1844 zog er zur Fortſetzung ſeiner Studien in
Heidelberg ein. Wieder verſäumte er nicht, neben den juriſtiſchen
10 Vorleſungen bei Vangerow, Mittermaier, Zöpfl u. a. allgemein
Bildendes zu hören: über Hegel bei dem wunderlichen Roeth, über
Dante bei Ruth; vor allem feſſelte die Vorleſung von Gervinus
über die literariſchen und ſozialen Zuſtände Deutſchlands im 18.
Jahrhundert mit ſtetem Hinblick auf die Zuſtände der Gegenwart.
15 Schon im Januar kann Scheffel dem Freunde Eggers melden:
„Ich habe von Gervinus ſehr viel gelernt; in ſeinen gemäßigt
liberalen leidenſchaftsloſen Vorträgen hat ſich manches von mei⸗
ner wohl einſeitigen Münchener Weltanſchauung durch Görresſche
Augengläſer abgeſchliffen.“ Vor allem aber nahm ihn jetzt das
20 ſtudentiſche Leben in ſeine Arme. Er hatte zunächſt die Kneip—
abende des Korps Suevia beſucht, dem viele ſeiner näheren Be—
kannten und Landsleute angehörten. Als aus ihm aber eben jetzt
eine neue burſchenſchaftliche Bewegung ſich ablöſte, ſchloß er ſich
ihr an; drängte ſie doch vaterländiſchen und freiheitlichen Zdealen
25 zu, die ihm vom Vaterhauſe her ſchon nahe lagen. So ward er
Mitglied der „Alemannia“, die im November von einigen aus dem
Schwabenkorps ausgetretenen Burſchen, unter ihnen Adolf Kuß⸗
maul, begründet wurde. Abſchaffung des Komments, demokra⸗
tiſche Inneneinrichtung, weitgehende Einſchränkung des Duells,
30 wiſſenſchaftliche Kränzchen waren die Ziele und Vorkehrungen, zu
denen man ſich zuſammengefunden hatte. Im Fanuar 1845 er⸗
folgte eine neue Spaltung, indem eine radikalere Richtung vor
allem von Karl Blind, Scheffels Landsmann und ehemaligem
Mitſchüler, vertreten, ſich ablöſte und den „Neckarbund“ begründete.
3s Ein Teil der Zurückgebliebenen ſtiftete eine neue Alemannia,
deren Verfaſſung von Scheffel zuſammen mit Karl Schwanitz
ausgearbeitet wurde. Mit dieſem drei Fahre älteren Genoſſen,
dem Sohne eines Rentamtmanns aus Zillbach in Thüringen, ver⸗
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