Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-1
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (1)
[1919]
Seite: 13
(PDF, 92 MB)
Bibliographische Information
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1. Kindheit und Studienjahre (1826— 48).

Daſein auf der Bude über dem Corpus juris. Der junge Student
hatte ſchon Angſt, daß er darüber dürr werden könnte und ledern:
„Nur nicht eintrocknen!“ Er ſpritzte gerne im Februar 1846 zum
Stiftungsfeſt der „Teutonia“ nach Jena, um ſich „wieder ganz
zu entphiliſtern“. Das juriſtiſche Studium befriedigte ihn wenig,
da es ihm „eigentlich doch keine Folge innerer Neigung und Über⸗
zeugung“ war. Er bedauerte, daß er darüber nicht „die reichliche
geiſtige Nahrung aus allen Zweigen des Wiſſens“ nehmen könne,
nach der ihn verlangte. Immerhin wurden auch Vorleſungen
über Literaturgeſchichte bei Werder und Kunſtgeſchichte bei
Waagen gehört. Das Zuſammenleben mit Eggers in gemein-
ſamer Wohnung blieb auch nicht ganz ungetrübt und innere Wand-
lungen geſellten ſich dazu. Der Glaube der Kindheit brach zu—
ſammen und die Hegelſche Philoſophie, mit Eifer ſtudiert, wollte
nicht ohne weiteres den geſuchten „unverlierbaren Erſatz für das
Aufgegebene“ liefern. Nachhaltige Erquickung gewährte ein um
Pfingſten unternommener Ausflug in den Harz und nach Rügen,

der ſpäter noch eine Spiegelung in den „Liedern eines fahrenden

Schülers“ finden ſollte.
Anfang September 1846 kehrte der Student über Eiſenach,
wo der Wartburg ein Beſuch abgeſtattet ward, nach der Heimat
zurück. Dort feſſelten ihn die hochgehenden Wogen der politiſchen
Bewegung, die in den Verhandlungen der badiſchen Kammer bran⸗
deten, ebenſo wie die bildende Kunſt. Sie hatte in der ſoeben
eröffneten Kunſthalle eine neue Heimſtätte in Karlsruhe gefun⸗
den; in einem Aufſatze über ein Bild von Feodor Dietz in der
„Karlsruher Zeitung“ trat Scheffel zum erſten Male als Schrift-
ſteller in die Sffentlichkeit.
Seine Studien zum Abſchluß zu bringen, zog er im Herbſt 1846
wieder nach Heidelberg. Es ward nicht ſogleich Ernſt mit der Ar⸗
beit. „Ich alter Knabe, ſtatt mich in die vier Wände meiner
Klauſe zurückzuziehen, habe ich mich wieder recht rüſtig hinein—
geworfen in den hieſigen Strudel und ſchwimme vorerſt fidel darin
wieder mit.“ Er trat zunächſt wieder der „Teutonia“ bei, half aber,
da die in ihr führende Strömung ihm nicht entſprach, bald eine
neue Verbindung, „Frankonia“, begründen. In ihr herrſchte „viel
Tendenz und heiteres Bummelleben“, das ihn voll befriedigte.

Er war mit Leib und Seele. Burſchenſchafter, nicht bloß um des

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