Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-1
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (1)
[1919]
Seite: 17
(PDF, 92 MB)
Bibliographische Information
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2. Die Revolution und der Rechtspraktikant (1848— 51).

auch auf unbeſtimmte Zeit nach Wien reiſte, verließ er Ende
September Frankfurt und verzog ſich nach Heidelberg.
Seine politiſchen Anſchauungen hatten ſich gefeſtigt und ge—
klärt. Mit durchaus liberalen Auffaſſungen war er nach Frank—
furt gekommen, „die die Republik i im Herzen“, von der er überzeugt
war, daß ſie in Heutſchland nicht mehr lange auf ſich würde
warten laſſen, denn er ſah die konſtitutionelle Staatsform nur als
einen Durchgangspunkt an; aber von den Radikalen rückte er mit
immer größerer Entſchiedenheit ab. Er fühlte ſich „unbeſchreiblich
bedrückt“ durch den frivolen Handſtreich Heckers und Struves im
badiſchen Oberland im April 1848, da er die republikaniſche Zu—
kunft des Landes „verpfuſcht“. Er hätte mitgefochten gegen die
Leute, die unter Heckers Panier ſich ſammelten, denn er kannte
ſie und wollte aus ihren Händen nichts geſchenkt haben; der
Frankfurter Aufſtand aber hatte ihm vollends „den Glauben an
das Volk auf beiden Teilen und die Poeſie der Revolution“ ge⸗
nommen.
So behagte er ſich in der Heidelberger Stille ſo ſehr, daß er
„nach einem Vorwande ſuchte, den Aufenthalt zu verlängern“.
Er trat im November auf dem Kriminalbüro des Oberamtes
in die juriſtiſche Praxis ein und förderte ſein Rechtsſtudium ſo
weit, daß er am 11. Januar 1849 die juriſtiſche Doktorprüfung
summa cum laude zu beſtehen vermochte. Auch heitere Dichtung
beſchäftigte ihn. Am 31. Oktober 1848 ſchickt er den „Fliegenden
Blättern“ die Lieder von der Teutoburger Schlacht, vom Kaiſer
Wenzel und das Hildebrandlied zum Abdruck ein.
Von dem Hiſtoriker Ludwig Häuſſer, dem er freundſchaftlich
nahe getreten war, ließ er ſich beſtimmen, noch einmal der Politik,
und zwar als Schriftſteller zu dienen. Er ging im März nach
Karlsruhe und beteiligte ſich an der Leitung der „Vaterländiſchen
Blätter für Baden“, die eine gemäßigte Richtung vertraten. Als

dann im Mai die Revolution in Baden losbrach, half er ihr mit.
der Tat entgegenwirken. Mit der Flinte verteidigte er in der

Nacht vom 13. Mai das Zeughaus in Karlsruhe gegen die Auf⸗
ſtändiſchen; als der Landesausſchuß einrückte, verließ er die
Stadt. Er wollte zunächſt nach der Wartburg, blieb aber in Auer-
bach an der Bergſtraße hängen, wo eine Flüchtlingskolonie,
weſentlich aus den Häuptern der konſtitutionellen Partei zuſam⸗
Scheffel. I. 17* II


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