Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-1
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (1)
[1919]
Seite: 19
(PDF, 92 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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2. Die Revolution und der Rechtspraktikant (1848— 51).

an den Comer See führte. Er freute ſich, dort neben der ſchönen
Natur in Thorwaldſens Alexanderzug und Canovas Standbildern
einen Vorſchmack Italiens und der Antike zu genießen, las in der
Barke die „Odyſſee“ und war glücklich, wieder ſeinen „alten Men-
ſchen, d. h. den kunſt- und naturſinnigen, der ſeit 1848 unter einem
Trümmerhaufen politiſcher Pflaſterſteine begraben lag, zur Auf⸗
erſtehung“ zu bringen. Heimgekehrt ſchien ihm die eigene Zu⸗
kunft rätſelhafter als je. „Der Staatsdienſt in ſeiner gegenwär-
tigen Bedeutung eckelt mich an. Für die Kunſt bin ich zu alt, von
der Wiſſenſchaft halte ich nicht mehr viel, es kommt mir immer
vor, als wenn die Anarchie im Reiche der Geiſter uns unſerer all-
mählichen Auflöſung entgegenführte. Wir Germanen ſind eben ein
altes Volk, das zu ſterben geht, wenn es nicht bald ſeinen Fung-
brunnen findet; wo ſoll der einzelne belebende Hoffnung her—
nehmen?“ In ſeiner Vaterſtadt konnte er's vollends „nicht mehr
aushalten“, da ihm „die reaktionsfreudigen Staatshämorrhoida⸗
riatsgeſichter und der Preußenkultus“ Stehen und Gehen ver⸗
leideten. So nahm er raſch eine in Säckingen ausgeſchriebene
Stelle an, um ſich in dieſen weltfernen Winkel des Landes zur ver⸗
kriechen.
Am 30. Dezember 1849 traf er in der Waldſtadt ein, die faſt
zwei JFahre ihn beherbergen ſollte. Langſam richtete in ihrer
ſtillen Beſchaulichkeit ſein Inneres ſich wieder auf. Das Amt nahm
den Rechtspraktikanten nicht gar zu ſcharf in Anſpruch; unter den
Honoratioren des Städtchens fand er eine behagliche Wirtshaus⸗
geſelligkeit, wie er ſie liebte. In ruhigem Gleichmaß verrannen
die Tage: „der Säckinger Menſch ſchafft den Cag über und abends
trinkt er ruhig ſein Bier im, Knopf und geht heim, um's am näch⸗
ſten Tag wieder geradeſo zu treiben“. Es blieb ein vereinzeltes
Vorkommnis, daß im Frühling 1851 ein geſellſchaftlicher Zu—
ſammenſtoß mit dem Kommandierenden der badiſchen Beſatzung
der Stadt zu einer Herausforderung und aufgeregten. Verhand⸗-⸗
lungen führte, die doch bald in Güte beigelegt wurden. Spazier-
gänge, Schlitten- und Wagenfahrten von Amts wegen führten
weit in der Gegend umher. Gerne wanderte man einmal auf die
Schweizer Seite hinüber, den Oheim der Zeller Baſen, den Für⸗
ſprech Heim in Großlauffenburg, oder den Oberlehrer Clemens
zu beſuchen, u um mit ihm die Erinnerung an ausgelaſſene Jenaer
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