Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-1
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (1)
[1919]
Seite: 22
(PDF, 92 MB)
Bibliographische Information
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Scheffels Leben und Werke.

Schmerz, trotzdem wohlgeſinnte Vorgeſetzte, angenehme geſell—
ſchaftliche Verhältniſſe ihm freundlich begegneten. Er fühlte ſich

als „der einſamſte und zweckwidrigſte aller Hofgerichtsſekretäre“

und drängte ununterbrochen nach der großen Reiſe. Mit dem
Frühling brach er ſeine Tätigkeit ſchier gewaltſam ab, und am
23. Mai 1852 trat er die bedeutſame Fahrt an, Italien vor Augen,
im Herzen den beſeligenden Entſchluß, einen ungeliebten Beruf
endgültig hinter ſich zu laſſen, um ſich zum Maler zu bilden, wo⸗
für er ſich durch die Natur beſtimmt glaubte.

3. Maler oder Dichter? (1852 — 54).

Gemächlich wanderte Scheffel durch die Schweiz über Gemmi
und Simplon, zeichnend, genießend gen Süden. Mailand, Genua,
Florenz vor allem nötigten noch zu einigem Aufenthalt, dann
ging es nach dem eigentlichen Ziele, nach Rom. Die Verhältniſſe
dort waren für ihn ungewöhnlich günſtig. Alte Freunde empfingen
ihn, der Archäologe Fulius Braun, der Maler Wilhelm Kloſe,
ſpäter geſellte ſich Eggers dazu. Ein fröhliches Geſellſchafts- und
Kneipleben, Natur und Geſchichte der ewigen Stadt und ihrer
Umgebung wurden innig genoſſen. Mit Tatkraft und Fleiß aber
ſtürzte der Jünger ſich zugleich in den neuen Beruf. Er ſchloß ſich
an den Oldenburger Ernſt Willers an, einen Vertreter der hiſto—
riſchen Landſchaftsmalerei, Schüler Kochs; mit ihm und einer
ganzen Künſtlerkolonie zog er im Auguſt 1852 hinaus nach Albano.
Im September ging es hinauf in die Sabiner Berge nach Ole—
vano, wo in der trefflichen Herberge der Caſa Baldi im Kreiſe
fröhlicher, gleichgerichteter Genoſſen ein ernſthaftes Kunſtſtreben
mit einem naturhaft ungebundenen, von aller Schwere des
Alltags erlöſten Leben zum heiterſten Zweiklang zuſammen-
ſtimmte; aus dem „Abſchied von Olevano“, der ins „Gaudeamus“
aufgenommen ward, überſtrahlt uns noch ein ſpäter Abglanz jener
beglückten Tage. Aber dieſe Himmelsbläue blieb nicht ungetrübt.
Scheffel ſelbſt mußte erkennen, daß ſeine Fortſchritte in der Male-
rei mit ſeinem Eifer nicht gleichen Schritt hielten. Er fühlte, wie
die Genoſſen ihn darum bedauerten. Er ſah ſich von allen geliebt,
geehrt als der geiſtige Mittelpunkt ihres Kreiſes; ſie hingen an
ſeinen Lippen, wenn er in ſeiner lebendigen, kraftvoll bildſamen
Weiſe erzählte, die auch das alltägliche Erlebnis zum außer-
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