Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-1
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (1)
[1919]
Seite: 28
(PDF, 92 MB)
Bibliographische Information
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Scheffels Leben und Werke.

für Scheffel nicht beſchämend, daß er Friedrich Theodor Viſcher

weichen mußte. Aber zu endlichem Vollzug einer Habilitation in
Heidelberg konnte er ſich nicht entſchließen. „Nach Neujahr“,
ſchrieb er Schwanitz aus Karlsruhe, „gehe ich wieder nach Heidel⸗
berg, vorderhand noch nicht aufs Katheder, die Zuſtände ſind
mir zu unerquicklich und die Wiſſenſchaft hat etwas Tötendes für
die freie Produktion.“
„Die freie Produktion“ aber quoll in dieſer Zeit mit einer
Stärke und Friſche, die wohl wert war, vor Störungen behütet
zu werden. In der erſtaunlich kurzen Zeit von noch nicht einem
Jahre war, gefördert von der leidenſchaftlichen Erregung um
Emma, der „Ekkehard“ entſtanden. Zugleich aber ſchuf der Dich—
ter für den „Engeren“, in dem er damals viel verkehrte, eine Reihe

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ſeiner fröhlichſten „Gaudeamus“-Lieder. Scheffel war dieſer Ge-

ſellſchaft ſchon Ende 1848 nahegetreten, als er in Heidelberg prak⸗
tizierte. Sie hatte ſich ſieben Fahre früher als „Engerer Aus—
ſchuß“ aus einem Stammtiſche herausgebildet, der im „Wald-—
horn ob der Bruck“ auf der rechten Neckarſeite ſich zu verſammeln
pflegte. Später tagte ſie jeden Mittwoch im Muſeum, auch im
Holländer Hof kam man zuſammen. Profeſſoren und ſonſtige
Akademiker, doch auch Buchhändler und Kaufleute waren Mit—
glieder. Seele des „Engeren“ wurde der Profeſſor der Geſchichte
Ludwig Häuſſer, dem Genußfreudigkeit und Humor des geborenen
Pfälzers gleichermaßen zu Gebote ſtanden. Eines der ſchätzbarſten
Mitglieder war der Pfarrer von Ziegelhauſen Chriſtoph Schme⸗
zer, ernſter Liebhaber der Naturwiſſenſchaften und ſtimmbegab—
ter Meiſter des melodramatiſchen Vortrags; als „Tegulinums
Augur“ und „Pfarrer von Aßmannshauſen“ ſchreitet er durch das
„Gaudeamus“. Scheffel war mit dem „Engeren“ auch in der
Ferne in Beziehung geblieben. Aus Säckingen wie aus Italien
ſandte er ihm ſo manchen humordurchtränkten Bericht zu; einiges
davon iſt in den „Epiſteln“ gedruckt. Die Vorträge über Hum—
boldts „Kosmos“, die Schmezer in dieſem Winter hielt, forder—
ten den größeren Teil der naturwiſſenſchaftlichen „Gaudeamus“⸗
Lieder heraus. Auch die Ballade von Rodenſteins wildem Heer
und dem Enderle von Ketſch ſind damals entſtanden. Zum Früh⸗
lingsfeſte im April 1855 begrüßte er den „Engeren“ mit dem
„Maiwein- und Früͤhlingslied“.
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