Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-1
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (1)
[1919]
Seite: 59
(PDF, 92 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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6. Ausklang und Ende (1864—86).

beſaß, ein Stück Landes, auf dem er ſich ein bequemes Landhaus
errichten ließ. 1876 kaufte er dazu noch die Halbinſel der Mettnau,
deren Fagdhaus er auch erweiterte, um ſich vor unbequemem
Getriebe dort zu bergen. Die Winter verbrachte er nach wie vor

5 im väterlichen Hauſe in Karlsruhe, wo jedes Stück an ſeinem Platze

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.

blieb wie zu Lebzeiten der Eltern. Aber den Sommer durch ſaß
er fortan am See in vergnüglicher Stille. Da ward „gegärtnert,
gepflanzt, Wein abgelaſſen, im Hauſe rumort und heiter gelebt“.
Baden, Fagen, Fiſchen, auch hartnäckiges Prozeſſieren mit den
Reichenauer Fiſchern und dem Staat und liebevolle Erziehung
des Sohnes gaben ausreichende Beſchäftigung. Und zu den Fen⸗
ſtern herein leuchtete der Hohentwiel, das Rebgelände, auf dem er
herbſtete, hatte Walahfrid Strabo, der gelehrte Abt der Reichenau
im 9. Fahrhundert zuerſt bepflanzt, auf dem einſtigen Herren—
hauſe der Mettnau war Wolfgang von Nellenburg geboren, der
ſpätere Biſchof von Regensburg, der Held der „Bergpſalmen“.
An Beſuchen fehlte es nicht, alte und neue Freunde ſtellten ſich
ein, wurden auf der „Seehalde“ gaſtlich behauſt und gerne und
kundig umhergeführt in dieſen lieblichen, erinnerungsreichen ale⸗
manniſchen Gauen, die Scheffels Dichtung für die ganze Nation
verklärt hatte. Immer häufiger aber ſah das Haus auch — Emma
Mackenrodt, beſonders ſeit ſie, länger ſchon nach Deutſchland zu—
rückgekehrt, im nahen Waldshut ſich niedergelaſſen hatte. Scheffel
war mit ihr dauernd in einem niemals ſehr regen, doch immer
innigen und manchmal leidenſchaftlichen Briefwechſel geblieben.
Ein ſicheres reines herbſtklares Verhältnis hatte ſich nun zwiſchen
ihm und der auch von mancherlei Schickſalsſchlägen geprüften Frau
herausgebildet, die doch in allen Stürmen ſich aufrechterhalten
hatte und dem Dichter auch in ſpäteren Lebensjahren „jung und
ſchmuck in alle Ewigkeit“ erſcheinen wollte. Man war beglückt,
ſich häufiger zu ſehen, zu plaudern wie harmloſe Kinder und alter
Erinnerungen und neuer Herzlichkeit ſich zu freuen. Man machte
gemeinſam Ausflüge und Reiſen, Emma führte monatelang dem
Dichter den Haushalt am Bodenſee, ſpäter auch, als der Sohn das
Gymnaſium beſuchte, in Karlsruhe, während Scheffel auf der See—
halde weilte. „Unſere Lebenswege zeigen ein ſeltſam magnetiſches
ſich Fliehen und ſich Finden, und keine Ruhe wird ſein, bis daß die
Seelen in langem innigen Kuß zuſammenfliegen und verſchmel⸗-
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