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Scheffels Leben und Werke.
dert, er war dem Vorurteile ſeiner Zeit, der Loſung Genellis
folgend, daß „der Künſtler nach Rom gehöre wie der Fiſch ins
Waſſer“, nach IFtalien gegangen und hatte inmitten der blaueſten
Pracht des Südens den urdeutſchen, heimatſeligen „Trompeter“
geſchrieben. Ihm galt wie ſeinem Ofterdingen nur „deutſche
Mär“; deutſche Geſchichte, deutſches Leben ſind der ausſchließ⸗
liche Inhalt ſeiner Dichtung.
Irren wir nicht, ſo trägt wohl auch gerade dieſe unbeküm⸗—
merte, nur dem Deutſchen ganz verſtändliche und ſchätzbare Deutſch⸗
heit ſeines Weſens die Schuld, daß ſeine Werke zwar von unſe-
rem Volke aufgenommen wurden wie die kaum eines anderen
Dichters — nach Mitteilungen des Verlegers war der „Ekkehard“
bis zum Fahre 1907 in rund 330000, der „Trompeter“ in rund
370 000 Abzügen verbreitet —, daß aber die literargeſchichtliche
Wertung ihren Urheber überall möglichſt tief zu ſtellen ſucht;
ſie trägt wohl auch die Schuld, daß unſere ſo überaus geſchäftige,
aber freilich ganz anders orientierte Literaturwiſſenſchaft, die
ſonſt bereit iſt, dem Unbedeutendſten mit umſtändlicher Forſchung
nachzulaufen, ſeinem Werke bisher nur ſehr geringe Aufmerk—
ſamkeit geſchenkt hat.
Gewiß: Scheffel darf nicht in eine Reihe mit den ganz Gro⸗
ßen unſeres Volkes ſich ſtellen, er gehört nicht zu denen, die die
Menſchenbruſt aufreißen, unſer eigenſtes verborgenſtes Innere
uns zu enthüllen, die in alle Tiefen und Abgründe des Lebens
mit der Fackel ihrer Dichtung leuchten. Aber wohl war er im—
ſtande, beſtimmten Seiten deutſchen Lebens einen vollendeten
Ausdruck zu geben; ſeine Werke gehören zu jener echten Dich—
tung, die nach dem Ekkehardwort „geſund und ſtark“ macht.
Wem „der Heimat reine Lüfte teuer“ ſind, wird immer wieder
in ihnen Erquickung ſuchen, und es ſteht nicht zu beſorgen, daß die
unverwelkliche Friſche ſeiner Dichtung ihre Wirkung auf deutſche
Herzen ſo bald verlieren werde:
„ Schwarzwaldluft und Rheineswelle
Strömen ſtets geſund und rein,
Und ein freudiger Geſelle
Darf auch lang zu Gaſte ſein!“
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O:
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