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Einleitung des Herausgebers. 5
fiſch zu Askalon“, um ſo wirkſamer, als neben Wirt und Kellner
und Hausknecht, Wirtshausſchild und ſchlagender Uhr wirklich oder
ſcheinbar aſſyriſche Kulturelemente erſcheinen: Marmortiſch, Dat-
telſaft, Keilſchrift auf Ziegelſteinen, Knecht aus Nubierland, auch
der feſtſtehende Eingang „Im Schwarzen Walfiſch zu Askalon“
vor jeder der kurzen Strophen mit den harten männlichen Reimen,
was dem Gedichte eine Architektur von aſſyriſcher Starrheit gibt,
ſo daß wir aus der Lächerlichkeit des Widerſpruches nicht heraus⸗
kommen. Auch in der „Teutoburger Schlacht“ wirkt die Traveſtie
des Gegenſtandes, die im„Hildebrandliede“ der Hauptwitz bleibt,
in ihrer in jeder Strophe wieder überraſchenden Komik des einzel⸗
nen zuſammen mit dem Witz der Form. Er ſteckt hier vielfach in
den Reimen, wie in dem Gedichte vom Grenzwall weſentlich in
dem Kehrreim, der ſo geſchickt in jeder Strophe mit in die Hand-
lung einbezogen wird. Die Krone dieſer aus ferner Zeit genom⸗
menen, ins Moderne traveſtierten Stoffe iſt doch der „Pumpus
von Peruſia“. Dieſe Aufklärung des Urſprungs einer dem Stu—
denten ſo ſchwer entbehrlichen Rechtseinrichtung erſcheint als ein
in ſeiner Art klaſſiſches Gedicht, in jedem Teile bewunderungs—
wert, von der katzenjämmerlichen Naturbeſpiegelung des Anfangs
durch die hundert Einzelheiten der Sprache und Darſtellung, des
ſpannenden Aufbaues bis zum überraſchenden Schluß, der noch
den Namen des Helden erklärt.
Bei den zeitlich näher liegenden Stoffen der „Maulbronner
Fuge“ und des „Enderle von Ketſch“ bewundern wir, wie aus
einer dürren Notiz ein belebter Auftritt entwickelt iſt. Wenn jenes
Gedicht anmutig inſzeniert, was ein kunſt- und geſchichtsfroher
Wanderer heute noch in dem alten württembergiſchen Kloſter
ſchaut, wenn es die Zeit ſeiner Handlung in Sachen und Sprache
ſicher erſtehen läßt, ſo zeigt ſich der „Enderle“ wieder als ein nicht
leicht vergleichbares Stück: der Name des Helden ſchon ein Witz,
ein Witz der Ausgang in der Chronikenſtelle mit ihrem lächerlich
ernſthaften Geſicht, witzig die Reime, die Sprache, die Entwicke-
ung und Begründung der Einzelheiten, wunderbar, wie Herr und
Diener, Pfalzgraf und Kanzler, einer des anderen würdig, ab—
wechſelnd beſchäftigt werden, wie die ſchauervolle, kehrreimartige
Chorſtrophe wieder ſo zwanglos geſchickt in den Inhalt der Dich—
tung hineingezogen wird, erſt den Ton anſchlägt, dann mithandelt,
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