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46 Gaudeamus!
Als wüchſen nächſtens Feigen
So faftig und kandiert,
Wie ſie noch nie auf Erden
Ein ſterblich Ohr geziert.
Derweil klang's wie Trompeten
Vom Neckartor herauf;
Sickingens Reiter trabten,
Und Fußvolk kam im Lauf.
„So ſeid doch nicht ſo zornig!“
Sprach jetzt der Magiſtrat,
„Es kommt in Stadt wie Land vor,
Daß man ſich mißverſtät.
Wer drohte je mit Brummturm?
Wir bieten Loſament
Und laden den Herrn Schwager
Samt Euch zum Traktament.“
„Ah ſo, liebwerte Nachbarn“,
Sprach Götz, „viel Dank, ich komm'
Der Teufel ſoll Euch holen,
Wie ſeid Ihr plötzlich fromm.
„Mir ſcheint, die Fauſt von Eiſen
Bringt Wunderwerk zuweg:
Wär's ein Glanzleder-Handſchuh,
Weiß Gott, wo ich heut läg'!“
Der Enderle von Ketſch.
In der Beſchreibung der Pfalz von Merian (1645)
wird bei Erwähnung des Dorfes Ketſch erzählt:
„Pfaltzgraf Oth Heinrich, nachmals Churfürſt, fuhr
vmb das Jahr 1530 ins gelobte Land, nach Feruſalem.
In ſeiner zurück Reyſe kam er über die Offenbahre See
herauß, da jhme dann ein Schiff, nach Nordwegen zu,
begegnete, darinn diß Geſchrey gehört wurde:
‚Weichet, weichet, der dick Enderlein von Ketſch
kompt.
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