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70 Gaudeamus!
Dietrich von Bern rief oftmals froh
Im Keller ſeines Schloſſes:
„Thata liubo fat, thata mikilo!
Du liebes Faß, du großes ¹“
Und oft ſah ihn der Goten Heer
Vergnügt dem Reichsſchenk winken:
„Schafft eine Maß zu trinken her!
Scapia maziaia drinkan*!
Des Rotbarts Kaiſermacht empfing
Den Reichstag gern beim Faſſe
Und ſang, wenn's auf die Neige ging,
In althochdeutſchem Baſſe:
„Zz rinnit nichein tropho mér,
Der win iſt vortgehupfit...
Ou wẽ min grözaz vaz ſtät lér,
Sie hä'n't mirz üz geſupfit?**!
Selſen in Rheinheſſen p. 27. — Haffler, Das alemanniſche Toten-
feld bei Ulm, in den Verhandlungen des Vereins für Kunſt und
Altertum in Oberſchwaben. Bd. XIII, p. 28. Faßhahnen aus alt-
deutſchen Gräbern ſiehe Hafſfler 1. cit., p. 23 und die Abbildungen
auf Tafel II, Fig. 12 und 13. — * Hie neigt ſich das große Faß hoch-
achtungsvoll vor den verſammelten Mitgliedern der germaniſtiſchen
Sektion und dekliniert ſich ſelbſt auf gotiſch wie folgt:
Sing. nom. das große Faß fat thata mikilô
gen. des großen Faſſes fatis this mikilins
dat. bem großen Faſſe fata thamma mikilin
accusativ wie nominativ.
Plur. nom. die großen Fäſſer fata thõ mikilôna
gen. der großen Fäſſer fatê thize mikilané
dat. den großen Fäfſern fatam thaim mikilam
acc. wie nom. —
Die Erklärung des gotiſchen „scapia maziaia drinkan“ ſiehe bei
Maßmann Gothica minora, in Haupts „Zeitſchrift für deutſches
Altertum“, Band I, S. 379. — ** Hier neigt ſich das große Faß vor
den anweſenden Germaniſten zum andernmal und dekliniert ſich ſelbſt
auf althochdeutſch wie folgt:
Sing. nom. das große Faß vaz grôzaz oder vaz daz michila
gen. des großen Faſſes vazzes grözes oder vazzes des michilin
dat. dem großen Faſſe vazze michilemu oder vazze demo
acc. wie nom. michilin
Den Pluralis fügt dasſelbe nicht mehr bei, um nicht allzu ausführ-
lich zu werden. Feliciter bibatis!
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