http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke1/0163
90
Gaubeamus!
Alſo klagte Sir Juſeppe
In dem Saal der Caſa Baldi,
Kummer furchte ſeine Stirne,
Keinen Tropfen trank er weiter,
Und als Denkmal ſchweren Abſchieds
Schrieb er's in das Hausbuch ein.
Der Hut im Meere'.
Das Sorrentiner Marktſchiff trug
Orangen über Meer
Und flog mit leichtem Möwenflug,
Als wenn's ein Dampfer wär'.
Biel Volk fuhr mit; die Luft war lind
Und alles frohgemut,
Dann blies von Capri ſtarker Wind —
— Fahr' wohl, mein grauer Hut!
Bis eingerefft das Segel war
Lag Kiel und Maſtbaum ſchief,
Der Bootsmann ſchalt, der Weiber Schar
Zum Sant' Antonio rief.
Noch einmal mir der Freund erſchien
Im Kampf mit Schaum und Flut,
Dann trieb's ihn gen Pompeji hin
— Fahr' wohl, mein grauer Hut!
Er füllte ſich, ſchlug um und ſank
Salzſchwer hinab zum Grund;
Nun tut ihm die Korallenbank
Der Tiefen Wunder kund.
Aſträen? niſten um ihn her
Und Madreporenbrut?,
Und der Polypen ſcheußlich Heer
— Fahr' wohl, mein grauer Hut!
20⁵
10
15⁵
1 Das Gedicht iſt eine Parodie des in gleicher Strophenform verfaßten
Liedes im erſten Geſange von Byrons „Ritter Harolds Pilgerfahrt“: „Fare
well, fare well, my native land!“
— ² Stern- und Schwammkorallen.
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke1/0163