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Aus dem Weiteren. 105
Und im Gewölb' erſcholl mit Dröhnen
Ein Lied von fremd ureignem Klang,
Das einer in gewaltigen Tönen
Altfränkiſch zu der Harfe ſang:
Wie Held Waltari mit Hiltgunden
Aus Heunenland zum Rhein entritt
Und mit den Beſten der Burgunden
Am Wasgenſtein den Zwölfkampf ſtritt.
Dann war's, als ob die Saiten ſchrillten:
„Wann kommt die Zeit? wann bricht der Traum?
Wann greift ihr wieder nach den Schilden?
Wann grünt des Reichs verdorrter Baum'?“
Jðv·ã fů Doch Hiltgund ſchwieg. Die Recken ſchwiegen,
Und alles ſchwieg ... Da kam ein Zwerg...
Die Nebel ſah man dichter fliegen,
Und mit Geknarr ſchloß ſich der Berg.
— Walpurgistag, den erſten Maien,
Wo alle Liefen offen ſtehn,
Ward von verfahrner Schüler zweien
Dies Wasgauwunder angeſehn.
Sie miſchten in der Höhlung Spalten
Waldmeiſterkraut zu würzigem Wein
Und dichteten vergnügt und malten⸗
Dies neue Lied vom Wasgenſtein.
Trifels.
Ouch solt ihr vil wol wizzen daz:
Dazwischent Strasburc al ich las
Un Spire lit drilic bere
als uns seit der wahrheit werc:
davon er Drivels ist genant
in allen landen wol bekant.
Rudolf von Enns, „Weltchronik“.
Noch ſchwellt kein Grün der Buchen Kronen,
Doch ſingt die Droſſel ſchon vom Aſt
Und mit dem Weiß der Anemonen
Miſcht ſich der Primel gelber Glaſt;
1 Das Gedicht iſt 1866 entſtanden. — ² Scheffel war mit Anton von
Werner auf dem Wasgenſtein.
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