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Aus dem Weiteren. 107
Eh' ſich die Wälder herbſtlich färben,
Die heute dieſe Fahnen ſehn,
Soll ſiegreich uns und unſern Erben
Das Reichspanier am AÄtna wehn!“
Als ihres Kaiſers Heergeleite
Ritt eine ſtolze Fürſtenſchaft
Und ſeinem Bruder treu zur Seite
Philipp von Schwabens junge Kraft.
Noch zog des Rotbarts blondem Kinde
Kein Frühlingsahnen durch den Sinn,
Daß er die Braut Frene finde
Als dieſer Maifahrt Beut'gewinn.
Gleich einer ehernen Schlange wanden
Die Helme ſich den Wald hindurch
Und alle Heerdrommeter ſandten
Als Abſchiedsgruß das Lied zur Burg:
„Ihr friſche Roſen, ſanfte Lilien,
Lebt wohl und blüht in Gottes Hut;
Des Adlers Flug geht nach Sizilien,
Ihn dürſtet nach Normannenblut!“
Wer weiß noch von den Rittern allen
Aus Schwaben, Franken und vom Rhein,
Die damals feſt als Reichsvaſallen
Schwerttrugen in der Streiter Reih'n:
Vom Truchſeß Markward von Annweiler,
Trushard vom Keſtenberger Schloß,
Vom treuen Heinz von Meiſterſele,
Vom Eberhard von Anebos? ...
... Ob ferner Wasgauhügelreihe
Sprüht goldner Sonnenuntergang
Und ſtill ſchwebt Frühlingsabendweihe
Des Reichs verlaßnen Berg entlang.
Dann, mit des letzten Golds Verglimmon,
Füllt rings die Täler feuchtes Grau
Und auch der Seele Saiten ſtimmen
Sich äolsharfenweich und lau.
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