Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-1
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (1)
[1919]
Seite: 115
(PDF, 92 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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Aus dem Weiteren. 115

Und warfen ihm noch, mit böſem Gelach,
Brevier und Brotſack zum Fenſter nach.

. . . Wo jetzt ein wohlerbaut' Badehaus prangt,
War alles Wildnis. Von Dornen umrankt
Stand dunkel und finſter der Tannenwald,
Des wildſten Getieres Aufenthalt,
Und ungeſtört von verderblicher Fagd
Sagten Füchſe und Eulen ſich dort gute Nacht.

Betrübt zog dort Herr Rippold ein,
Ihn freute nimmer der Sonnenſchein,
Und ſelber die herrliche Waldesluft
Erſchien ihm wie Moder und Leichenduft.
Nur im dickſten Dickicht gefiel es ihm recht
Wie einer Kreuzſpinn' in ihrem Geflecht,
Und verdrießlich brummt' er in langen Bart:
„O Leben! wie biſt du bitter und hart!
Ich wollt', es würde mich einer ermorden,
Oder ich wär' ein flinkes Eichhorn geworden,
Das klettert und hüpft doch und knackt ſeine Nuß,
Mich aber erlöſt nur der Tod vom Verdruß.“

Bei ſolcherlei Schwermut war es kein Wunder,
Daß er täglich kränker ward ſtatt geſunder,
Er ſchrumpfte zuſammen als wie ein Greis,
Die Haare bleichten ihm ſilberweiß,
Und es dauerte kaum Tag und Fahr,
Daß er wirklich nah an dem Sterben war.
Da nahm er mit fiebrig zitternder Hand
Sich Spaten und Axt von der Klauſe Wand,
Um draußen am Bach beim Granitgeſtein
Sich zu hauen ein Grab als Totenſchrein.
Sein dumpfes Hacken am Felſen erklang
Wie Sterbegeläut den Wald entlang.

Und als nun vollendet die Grabeshöhle,
Befahl er dem Herrn ſeine ſündige Seele
Und ſprach: „Du falſche Welt, gute Nacht!“
Und legt' ſich hinein in den finſtern Schacht.
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