Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-1
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (1)
[1919]
Seite: 117
(PDF, 92 MB)
Bibliographische Information
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Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



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Aus dem Weiteren. 117

So trank er ſchon wieder mit neuer Wonne
Und nahm ſein Bad in der bergfriſchen Welle
Und ſchnalzte vergnüglich gleich einer Forelle,
Ward zuſehends luſtig und jodelt' und ſang,
Daß ein fröhliches Echo den Tannwald durchklang.
Auch mehrte ſich merklich ſein Appetit,
So daß er mit unverzagtem Gemüt
Einen ganzen Schinken und Brotes drei Laib
Verzehrte, als wär's nur ein Zeitvertreib.
Als zweiter Nimrod, mit Bogen und Pfeil
Durchzog er die Waldung von jetzt an in Eil',
Schoß Hirſche und Eber, und kam auch ein Bär,
So ſprach er: „Das freut mich nur um ſo mehr“,
Und ſchlug mit gewaltig erhobenem Stein
Aus freier Hand den Schädel ihm ein.
Denn wer hier trinken und baden kann,
Den ficht kein Ungeheuer was an.

Herr Rippold lebte zu ſelbiger Zeit
In der allereinſamſten Einſamkeit;
Es führte zu ihm nicht Steg, nicht Pfad
Und niemals waren ihm Menſchen genaht;
Nur ſelten bei ſeiner Einſiedelei
Trieb ein Hirtenkind ſeine Herde vorbei.
Doch früher, bevor er die Quelle entdeckt,
War Herr Rippold immer gewaltig erſchreckt,
Wenn er die Maid nur von ferne erſchaute,
Und ſprang, dieweil ihm wahrhaftig graute,
Scheltend, ſo weit ihn trug ſein Fuß, .
Ins Waldesdickicht mit Groll und Verdruß,
So daß die Hirtin betrübt oft klagte
Und im ſtillen zu ſich ſelber ſagte:
„Dies ſcheint, ſoweit ich es beurteilen kann,
Ein frommer, aber ein grober Mann.“

Der Hirtin Antlitz war zart und fein,
Sie ſchaute ſanft in die Welt hinein,
Und ihre Wangen, ein wenig bleich,
Schufen ihr Ausſehen träumend und weich.


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