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120 Gaudeannis!
Sollſt alles, was dienlich, ſchaffen heran,
Selbſt Damenſalon und Kegelbahn.“
Und wieder erklangen die Glocken gar traut, 225
Da kniete Herr Rippold mit ſeiner Braut,
Da ſprach der Abt am geſchmückten Altar
Seinen Segen über ein glückliches Paar
Und gab ſie zuſammen als Mann und Frau...
Das iſt die Geſchichte von Rippoldsau. 250⁰
— —
Die Schweden in NRippoldsau.
Vor zweihundert Jahren — Wem iſt's nicht bekannt? —
Ertobte der Krieg im deutſchen Land, L
Die Schweden und die vom Wallenſtein
Schlugen einander die Schädel ein,
Und dauerte über dreißig Fahr, 5
Bis die Schlachtenfurie verbrauſet war.
Doch das friedliche Rippoldsauer Tal
Blieb verſchont von des Krieges Gewitterſtrahl,
Und mancher, dem kranken Leib zum Frommen
Iſt Heilung ſuchend zur Quelle gekommen. 10
Man lebte damals ſchier ſo wie jetzt,
Man hat ſich mit mancherlei Kurzweil ergötzt, *
Ein trefflicher Badwirt ſorgte wie heut
Für gute Herberg' und Schnabelweid.
Man ſchlürfte die Quelle und ſprach nur wenig 15
Von Papſt und Kaiſer und Schwedenkönig.
Die Alten tranken und rauchten Tabak,
Die Fungen fanden am Ballſpiel Geſchmack,
Die Damen in Reifrock und hoher Krauſe
Scherzten und lachten beim Mittagsſchmauſe, 20
Und abends tanzte man zierlich und nett
Auch ein ſteif graziöſes Menuett.
Die Badmuſik war in vorzüglichen Händen,
Sechs Mann mit verſchiedenen Inſtrumenten
Spielten rüſtig und unverdroſſen drauf los, 25⁵
Und war ſchier jeder ein Virtuos.
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