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Aus dem Weiteren. 127
Von alle mir in Gottes Himmelsgarte,
's het mi ſcho lang e Sehnſucht nochem plogt.“
Und chlip und chlap! — was witt und was bigehrſch?
Ein Engel faßt mi links, der ander rechts:
Eis, zwei und drei! ... und huſch, ſo goht's in d'Luft,
Und uf und furt! ... Bim Strohl! en Iſebahn,
E Luftballon, e Telegrafedroht
's iſch all's e Schneckepoſt, wemme's vergliücht
Mit ſo'me Engelfliegwerch d'Milchſtroß' ufe.
Jo, uf und furt ... Chuum luegi wieder nidſi
Schint ſcho mi Chiemſee numme ne ſilbrig Pünktli
Und bal ſchrumpft d'Erde zuere Chugle z'ſemme,
Wird chli as wie der Mond und wird noch chliner
Und ſchwebt, e winzig Sternli, fern im Luft,
Biſcheidener als menge Her uf ihr.
Und wieder no' re Wil do funklet ſcho
Zue eufe Füeße fremdes ſchönes Land
Mit Berg und Tal .. . und: „Afgluegt!“ ſeit mi
G'leitsma,
„Der Morgenſtern!“ ... und ſänftlig ſinkt der Flug
Und mini Sohle gſchpüere wieder Bode.
„De Morgeſtern!“ rueft au der ander Engel,
As wie' ne Konduktör, wemme d'Station het,
Und Othem ſchöpfi: „Helfis Gott, ſo ſagi,
Es trümlete mer im Chopf und vor den Auge,
Lönd mi te weng verſchnuufe, daß i au
Schön Dank cha ſage.. lñff! deis heißt e Schnellzug!“ —
„O b'hüetis!“ lacht der Engel, „chuum e g'miſchte!
Meinſch, d'wiegſch ſo liicht as wie ne Seifeblösli?
E Güeterzug iſch's gſy, und no e ſchwere!
Jetz gang und ſchau di um. Mer müen no witers.“
O Morgeſtern! wie lieblig iſch's uf dir!
Zwor nit gar anderſt as bei eus, doch heitrer
Und glänziger iſch d'Gegnig gſy und wärmer,
As wär dört ewig Früehlig, ewig Sunntig;
Und ſcho am Luftzug het me g'ſchpüert, es weiht
1 Abwärts. — ² Schwankt.
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