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128 “ Gaudeamus!
E ſanftrer Othem dört.. i ſelber bi
Mer gröber vorcho wie 'ne Hozzewälder',
Der uffen Bal dappt z'Friburg im Muſeum.
Doch wandli fürwärts. Lueg, do iſch e Tal,
E prächtig Matteland und ſchöni Waldig
Und klar und friſch e Bergforellewaſſer.
... Es het mi gmahnt ans hinter Wieſetal,
Wemme vo Mambach nidſi goht go Huſe?,
So ſchön het alles blüeht, ſo ſaftig friſch
Hen d'Chrüter gſchproßt.. . Früeh iſch's no gſy am
Morge.
Doch wien'i witers chumm, ſo höri rede.
Am Waldhang ſitzt en alt ehrwüerd'ge Greis,
Schneewis vo G'wand und mild vo Gſicht und Art,
Um ihn im Moos e luſtig Chindervolch.
Schuel het er g'halte. Nei, wie henſ'em g'looſet.
Me het jeds Läubli wiſple g'hört im Wald.
Und Zucht iſch gſy und Ordnig. Me het's g'merkt
Der bruucht kei Ruete, 's Vüdelis ze verſohle.
Druf ſchließt ers Buech und lächlet und ſeit: „So! 10
Jetz ſingt no eis, dann chönnd 'er gö go ſpiele,
Und über d'Matte gumpe“, doch gent Achtig,
Daß kei's 'ne Mejeblüemli z'ſemmetritt,
Und tuend keim guete Tierli Oppis z'leid!“
Was meinet er, as d'Chinder g'ſunge hen?
„Se helfis Gott und gebis Gott
E gute Tag und b'hüetis Gott!
Mer beten um e chriſtlig Herz,
Es chunnt eim wohl in Freud und Schmerz,
Wer chriſtli lebt, het frohe Muet,
Der lieb Gott ſtoht für alles guets.“
Dann packes z'ſemm und batſche froh in d'Hend
Und ſpringe furt. Der Greis chunnt uf mi zue.
1 Bewohner des Hauenſteiner Landes im ſüdlichen Schwarzwald; vgl. das
„Eilfte Stück“ im „Trompeter“ und die „Reiſebilder“ß“. — ² Hauſen im
Wieſental betrachtete Hebel, da er dort groß geworden war, als ſeine eigent-
liche Heimat. — 3³ Hinterteil. — ⁴° Hüpfen. — 5 5. Strophe aus Hebels
Gedicht „Der Morgenſtern“.
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