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Aus dem Weiteren. 131
„Dört chunnt ſi ſcho, was hani gſeit,
In ihrer ſtille Herlichkeit!
Sie zündet ihre Strahlen a,
Der Chilchturn wärmt ſie au ſcho dra
Und wo ſie fallen in Berg und Tal,
Se rüehrt ſi's Leben überal'.“
Der Greis ſeit nüt und faltet lisli d'Händ.
Und wien i mer ſin Antlitz jetz bitracht,
Wie's früendli blitzt im goldne Sunneſtreifliecht,
Se chunnt es mer bikannt vor und bikannter,
Und 's überlauft mi warm. „LTuſig gottswill!“
So rüefi, „'s wird nit ſy ?. .. ſtoht nit bim Schloß
Vo Karlisrueh im ſchattedunkle Garte
En iſern Denkmol, 's treit e goldig Bruſtbild?
Hani als Chnab nit oft dört gſchpielt und g'frogt:
‚Wer iſch der Ma mit ſiner edle Stirn,
Sim chruſe Hoor, ſim Lächlen um den Mund?“
Sin ſell nit Euri Züg? iſch nit der G'ſang,
Den ſelli Chind dört ſingen, au von Euch
Und ſind Ihr nit der Fohann Peter Hebel?“
Do winkt der Greis und lächelt fin und ſeit:
„'s cha ſy, 's cha ſy.. denk wohl, i bin en gſy,
Doch iſch's mer jetz, wenn i dört abi lueg,
Juſt wienis früeher ſelber b'ſchribe has:
„Lueg, dört iſch d'Erde gſy und ſelle Berg
Het Belche g'heiſſe... nit gar wit dervo
Iſch Wisleth g'ſy⸗ dört hani au ſcho g'lebt
und möcht jez nümme hi.
WVerſtohſch mi au?
Und weiß me öppis dunte no vo mir?“ —
„O Meiſter“, rüefi, „nei, wie magſch ſo froge?
Se lang im Feldberggrund ne Tanne wurzlet,
Und d'Wieſe ſtrömt und d'Wehre und de Rhi,
Se lang no Meidle flink und dundersnetts
1 Die 10. Strophe aus Hebels Lied „Der Morgenſtern“. — 2 Aus Hebels
Gedicht „Die Vergänglichkeit“. — ⁹ Anſpielung auf Hebels Gedicht „Ha
und Verene“ (Strophe 1: „O, wenn i doch des Meidli hätt', es iſch ſo flink
und dundersnett“).
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