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ebel. 149
Stand die Inful' nicht ſchön dem ergrauenden Haupt?
War ich, ihr Träger, nicht höchlich geehrt,
Herzogen gleich, Königen Freund,
Dem Kaiſer ein oftmal erbetener Rat?
Was ſäum' ich, was ſäum'’ ich, zurück mich zu wenden,
Zurück in die Welt, in die ſchimmernde Pracht,
Die der Starke beherrſcht mit des Geiſtes Macht
Und die nur der Schwache verachtet?..
Weh! immer dichter ſchart ſich's zuſammen;
Hält heute der Nebelmann Tanz in den Wolken
Mit der Nebelfrau und dem ganzen Geſind'?
Was kocht ihm der Haſe, was braut ihm der Fuchs?
Sieh das Gewölk!
Regengrau faßt es den Falkenbergforſt,
Nicht leis ihn verhüllend,
Ganz ihn erfüllend
Mit dickem, geſpenſtig unheimlichem Qualm.
Sie kriechen und ſchleichen wie liſtige Feinde
Die Halden entlang;
Das Letzte, woran noch das Aug' ſich geweidet,
Der Schattenbäume grünlabendes Bild,
Sie löſchen es aus,
Alles umſpinnt ſich mit nächtigem Graus!
Kaum iſt er oben, flieht er zerſtoben,
Vorwärts gejagt und von dannen geſchoben,
Und neue Scharen eilen im Flug
Den erſten nach!
Hei, wie ſie drängen und nahen und kommen!
Das Nebelheer hat meinen Engpaß erklommen,
Von allen Seiten quillt es herein
Und füllt ihn mit dämmerndem, blaßlichem Schein.
Finſtre Gewalten,
Nachtluftgeſtalten,
Seid mir verflucht!
Was durchhetzt und durchſetzt ihr die Falkenwand-
ſchlucht?
1 Biſchofsmütze.
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