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Nebel. Sonnenſchein. 151
Kommſt du von der Donau ſumpfiger Nied'rung,
Wo gleiche Geiſter mich einſt umwallten,
Da ich, ein andrer denn hier in der Klauſe,
Als Gaſt im heidniſchen Königshauſe
Stolz zu Roſſe und reitensfröhlich
Im Anblitz funkelnder Augen ſelig
Einer ſtolzen Reiterin zur Seite dahinflog?
Was pfeift der Windſtoß? Wer wird hier ver—
höhnt?
Wes mahnt mich ſein Rauſchen, das mächtig ertönt,
Wie Geſang in der Nacht?
Weh mir! ich erliege den Nebelgeſichten!
Herbei, herbei und zur Hilfe, Genoſſen,
Das Bethaus erſchloſſen,
Ziehet die Stränge und läutet das Glöcklein,
Das die Dämonen der Wildnis verſcheuche.
Die letzte Kraft
Hat der Herbſtwolken Feuchte mir aufgeſogen,
Mein Haupt wird ſchwer,
Mein Herz unſündiger Wünſche leer,
Erloſchene Gluten lodern empor,
Verſtöre mich nicht —
Erhöre mich nicht —
Verzehre mich nicht —
Unholdine,
Valandiner,
Werwölfiſch Geſpenſt, das die Seele benagt,
Unſelige Erinnerung ſeliger Jagd ...
„Herr, führe uns nicht in Verſuchung!
Sonnenſchein.
Beſchuhe den Fuß, Falkenſchluchtklausner!
Entheb' dich der Zelle,
Die Sonne lacht helle.
1 Teufelin.
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